Knin / "Krajina":

Hoffnung für Knin und die "Krajina"?

Frauengruppe "Nada" Knin

Gestern bin ich aus Knin zurückgekommen, nachdenklich und voller Eindrücke, aber auch das erste Mal - seit ich nach 1995 durch Knin und die "Krajina"Anmerkung 1 fahre: mit einem Gefühl von Hoffnung, trotz der noch immer problematischen und angespannten Situation dort.
Anlaß für meine viertägige Reise nach Knin war die Gruppe von Frauen und Kindern, die in diesem Sommer aus Knin zu uns ins SEKA-Haus kam. Die Gespräche mit Frauen und Kindern führten zu unserem Entschluß, als Hintergrund-Thema für das SEKA-Journal Nr. 7 "Knin und die 'Krajina'" bzw das Engagement der Frauengruppe "Nada" Knin auszuwählen.
Ich fuhr nun also nach Knin, um einerseits die Frauen und Kinder der Gruppe zu besuchen und andererseits um für das SEKA-Journal Informationen und Eindrücke zu sammeln.

Die Gruppe aus Knin im SEKA-Haus
Die Gruppe aus Knin im SEKA-Haus

Zu Gast war ich bei einer der Aktivistinnen der Frauengruppe "Nada" (= "Hoffnung") und ihrem Mann. Sie ist Kroatin, er Serbe. Beide haben gemeinsam zuerst die serbische dann die kroatische Gewaltherrschaft ertragen.
Kata und Dragan (die Namen sind aus Sicherheitsgründen geändert) empfingen mich sehr herzlich und nahmen sich viel Zeit, meine Fragen zu beantworten. Unsere Gespräche dauerten oft bis in die Nacht. In ihrem Haus lernte ich außerdem viele Menschen kennen, sowohl Freunde und Bekannte als auch Hilfesuchende, für die dieses Haus eine Art Anlaufstelle bei Problemen aller Art ist.
Ich traf einige Frauen der Frauengruppe "Nada", die mir von ihrer Arbeit berichteten und mit denen ich über ihre eigenen Erfahrungen und ihre Motivation für ihr mutiges Engagement sprach.

Knin und die "Krajina"

Als "Krajina" werden die Gebiete in Mittelkroatien bezeichnet, die westlich der Grenze zu Bosnien-Herzegowina liegen. Das Gebiet reicht südlich von Karlovac über die Plitvicer Seen, die Hochebene von Lika, das Gebiet um Knin bis fast nach Sinj im Süden und bis fast nach Zadar im Südwesten. Der Name "Krajina" kommt von "kraj" = "Ende, Rand" und weißt darauf hin, daß die "Krajina" unter österreich-ungarischer Herrschaft das Grenzgebiet zum Osmanischen Reich war. Österreich-Ungarn hatte dort zum Schutz der Grenzen gegenüber den Türken serbische Bauern als Wehrbauern angesiedelt.
Dies erklärt, warum der Anteil der serbischen Bevölkerung vor dem Krieg in der "Krajina" bei fast 90 % lag.

Während des Zweiten Weltkriegs war der südlichste Teil der "Krajina" von Italien besetzt. Knin und die nördlicheren Gebiete gehörten zum von den Ustaschas unter Ante Pavelic regierten Satellitenstaat der Nazis. Allerdings war gerade Knin eine der Hochburgen des Partisanen-Widerstands. Dragan erzählt mir, daß von den ca.44.000 EinwohnerInen des Kreises Knin damals ca. 10.000 aktiv bei den Partisanen kämpften.
Kniner PartisanInnen trugen entscheidend zu mehreren Offensiven bei, die schließllich zur Befreiung vom Faschismus führten.

Die "Krajina" war kein reiches Gebiet. Dennoch lebte die Bevölkerung vor Ausbruch des Krieges 1991 relativ gut - überwiegend von Landwirtschaft aber auch durch einige kleinere Industriezweige. Knin, die größten Stadt der "Krajina", historischer Sitz kroatischer Könige und Hochburg der "Krajina"-Serben, war Zentrum und Verkehrsknotenpunkt, der den Norden Kroatiens mit dem Süden, das kroatische und bosnische Binnenland mit der Küste verband. In Knin gab es unterschiedlichste Fabriken, in der auch viele Menschen aus den umliegenden Dörfern Arbeit fanden: so z.B. zwei Konfektionsfabriken, eine Strumpffabrik, ein Stahlwerk, Fabriken für Ziegel, bzw. Gipskarton, für Schrauben, Gartenmöbel, Tiernahrungsmittel, Kartonagen... Außerdem war Knin vor dem Krieg ein Militärstützpunkt der Jugoslawischen Volksarmee(JVA).
Die Landbevölkerung webte zudem traditionelle Kelims und stellte andere Souvenirs her, die in den Touristenstädten Split und Dubrovnik ihre Käufer/innen fanden. Außerdem profitierte Knin indirekt vom blühenden Tourismus Kroatiens: es lag an der Hauptverbindungsstraße, die die Touristen von Zagreb über den Naturpark "Plitvicer Seen" zur Küste nahmen.

Die Stadt und der Kreis Knin hatten vor Beginn des Krieges (1991) insgesamt 42.954 EinwohnerInnen, davon. 37.888 SerbInnen, 3.886 KroatInnen, 22 Angehörige kleiner Minderheiten und 1.158 "Sonstige" (d.h. Menschen, die sich als "Jugoslawen" bezeichneten oder sich nicht zuordnen wollten). Unter SerbInnen und KroatInnen gab es allerdings viele gemischte Ehen und Familien.
Kata sagte mir dazu: "Ich kenne keine kroatische Familie hier, die nicht auch serbische Verwandte hat. Deswegen ist diese ganze Situation so besonders absurd!"

Nationalismus, Krieg und Gewaltherrschaft

Nach dem Tod Titos 1980 begannen in Jugoslawien die Machtkämpfe um die Nachfolge. Gleichzeitig gewannen in den 80er Jahren die nationalistischen Bewegungen sowohl in Serbien als auch in Kroatien mehr und mehr an Boden. 1987 wurde Milosevic Präsident der Kommunistischen Partei. Gezielt baute er zuerst die albanische Bevölkerung des Kosovo, dann die Kroaten und die bosnischen Muslime zum Feindbild auf. Alle diese Völker bedrohten angeblich das serbische Volk. Dies sollte schließlich die Aggression gegen diese Bevölkerungsgruppen und die Notwendigkeit eines "Großserbien" rechtfertigen. 1989 wurde Milosevic zum Präsidenten Serbiens gewählt
Milosevics Plan eines "Großserbien" fand sein Pendant in den Plänen der kroatischen Nationalisten um Tudjman, die einen eigenständigen rein kroatischen Staat gründen wollten, dem möglichst auch die Herzegowina einverleibt werden sollte. In diesem Staat "störten" die Serben und so wurde von der neugegründeten nationalistischen kroatischen Partei HDZ Stimmung gemacht gegen alles "Serbische".

Sowohl viele Intellektuelle als auch die Medien und leider auch die Kirchen (die katholische in Kroatien, die orthodoxe in Serbien) trugen zur Verschärfung des Nationalismus' auf beiden Seiten entscheidend bei. Ein Klima von Aggression und Bedrohung bishin zur Paranoia machte sich gerade auch in der "Krajina" bemerkbar, in der die Minderheit der Serben in Kroatien in der Mehrheit waren.
"Bereits 1986 begann das politische Klima sich zu verändern," erzählt der ehemalige Schuldirektor und damalige Bürgermeister von Knin, T.. "Es fing an, unter der noch friedlichen Oberfläche zu brodeln. Es wurde Stimmung gemacht. Ich hab mich dann nicht mehr zur Wahl gestellt und mich ins Privatleben zurückgezogen. Ich war ja bereits pensioniert."
Kata ergänzt: "Einen großen Teil Schuld tragen die Medien, sie haben die Leute unglaublich aufgehetzt. Viele Serben in Knin begannen diese Propaganda zu glauben, daß sie bedroht seien. In den älteren kam dann sofort die Angst vor einem 'neuen Jasenovac'2 hoch. Viele Kroaten fühlten sich andererseits von der großserbischen Propaganda ("Wo ein Serbe lebt, ist Serbien") bedroht und von der Tatsache, daß sie in der "Krajina" in der absoluten Minderheit waren. Dennoch gab es auch viele Menschen auf beiden Seiten, die vernünftig blieben. Aber sie hatten gegen diese aggressive Stimmung keine Chance. Besonders wenn sie in gemischten serbisch-kroatischen Familien lebten, wurden sie von den Fanatikern beider Seiten angegriffen und als 'Verräter' gesehen."

Seit August 1990 gab es in der "Krajina" Zusammenstöße zwischen serbischen Nationalisten und der kroatischen Polizei (z.B. Straßenblockaden), die diese jedoch zu jener Zeit noch unter Kontrolle bekam. Im August 1991 schließlich erklärte sich die "Serbische Republik 'Krajina'" von Kroatien unabhängig. In Knin als der "Hauptstadt" saß nun die von den Ultra-Nationalisten der SDS bestimmte "rein-serbische" Regierung. Die Unterdrückung und Vertreibung der Kroaten begann.
In Knin selbst übernahmen die serbischen Nationalisten die Macht ohne große Gewaltexzesse, da die Serben in der absoluten Überzahl waren. An anderen Orten der "Krajina", insbesondere im Südwesten (Richtung Sibenik und Zadar) gab es nicht nur Kämpfe zwischen den serbischen Milizen und der gerade neu gebildeten kroatischen Armee, sondern gewaltsame Vertreibungen der kroatischen Bevölkerung. Forciert wurden die Gewaltexzesse durch Paramilitärs aus Serbien und durch Truppen der Jugoslawischen Volksarmee. In verschiedenen Orten so z.B. Skabrnje (nahe Zadar) fanden Massaker an der Zivilbevölkerung statt. Den Oberbefehl führte General Mladic (der in Bosnien noch zu schrecklicher Berühmtheit gelangen sollte).
Die Vertreibungen und Gewaltexzesse führten zur Flucht auch der meisten KroatInnen aus Knin.

Doch auch die Teile der serbischen Bevölkerung, die die Gewalttaten verurteilten und sich nicht beteiligen wollten, wurden massiv unter Druck gesetzt. Männer, die sich dem Kriegsdienst verweigerten, wurden ins Gefängnis gesteckt und mißhandelt. Eltern, die ihre Söhne rechtzeitig ins Ausland geschickt hatten, wurden unter Druck gesetzt und beschimpft.
Junge Serben, die sich nach Serbien abgesetzt hatten, wurden dort von Arkans Banden3 aufgestöbert, als "Verräter und Deserteure" in Lager gebracht, von wo aus sie nach einer entsprechenden "Behandlung" an die Front geschickt wurden.
Auch Kata und Dragan ist es gelungen, ihre Söhne rechtzeitig ins Ausland zu bringen. Ein Sohn blieb in Belgrad und entkam dreimal nur knapp Arkans Leuten. Einmal, als sie ihn bereits gefangengesetzt hatten und verhörten, sprang er aus dem zweiten Stock durch die geschlossene Scheibe. Wie durch ein Wunder blieb er unverletzt.
1992 wurden schließlich UN-Truppen auch in der "Krajina" stationiert, um einen fragilen Waffenstillstand zwischen der "Krajina" und Restkroatien zu sichern. Dennoch kam es um Zadar herum immer wieder zu Versuchen der Serbischen Militärs, zum Meer durchzustoßen.

Aktion "Oluja" (="Sturm")

Anfang August 1995 begann schließlich (stillschweigend geduldet von USA und EU) die Rückeroberung der "Krajina" durch die kroatische Armee. Die Dörfer der "Krajina" wurden dabei fast vollkommen zerstört. Die Bevölkerung floh in riesigen Kolonnen nach Bosnien und - wenn es ihnen gelang weiter nach Serbien.
Über Radio wurde des kroatischen Präsidenten Tudjmans Ansprache an die "kroatischen Mitbürger serbischer Nationalität" in regelmäßigen Abständen verbreitet: sie sollten in ihren Häusern bleiben, es würde ihnen und ihrem Eigentum nichts geschehen. Diese Ansagen wie auch die Beteuerungen der kroatischen Regierung später, die Kroaten hätten die "Krajina" fast völlig gewaltlos wieder eingenommen, der Zivilbevölkerung sei nichts geschehen, erwiesen sich als reine - an die EU und die USA gerichtete - Propaganda, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hatte:
Während die Ansage im Radio lief wurde Knin zwei Tage und eine Nacht lang massiv mit Raketen und Granaten beschossen, obwohl zu dieser Zeit - in Erwartung des kroatischen Angriffs - das serbische Militär bereits aus der Stadt abgezogen war. So fiel es der Bevölkerung schwer, den Worten des Präsidenten zu glauben. In Panik und Todesangst flohen fast alle - zuerst nach Norden und als sie merkten, daß auch die Dörfer nördlich von Knin keine Sicherheit boten, weiter nach Osten, über die Grenze nach Bosnien.
Die Menschen flohen mit allem, was sie hatten: in überfüllten (teilweise uralten) Autos, auf Traktoren mit Anhängern, Lastwagen, Mopeds, auf Fahrrädern, aber auch zu Fuß. (Diese Bilder zeigte auch das deutsche Fernsehen.) Zeitweise wurde der Flüchtlingstreck noch von der kroatischen Armee beschossen. Dann, später wurde in der glühenden Augusthitze, neben der Angst, der Durst das schlimmste Problem für die Flüchtenden.
Auf der tagelangen Flucht dieser insgesamt etwa 200 000 Menschen starben immer wieder Säuglinge und alte Menschen an Durst oder Entkräftung.
Es flohen nicht nur Serben. In vielen der fliehenden Familien war nur ein Elternteil serbisch. Aber die ganze Familie hatte sich, von den düsteren Prophezeiungen der serbischen Propaganda, was die erobernde kroatische Armee der serbischen Bevölkerung antun würde, in Angst versetzt, zur Flucht entschlossen - nur wohin? Manche hatten Verwandte in Bosnien4. Die meisten wollten nach Serbien.
Dies suchte aber das serbische Regime zu verhindern.
An der Grenze zu Serbien wurden die Flüchtlinge gestoppt und ein großer Teil von ihnen gezwungen, weiter in Richtung Kosovo zu fahren. Nur wer nahe Verwandte in Serbien hatte, durfte zu ihnen fahren. Viele Flüchtlinge wurden von der Polizei sofort in Züge ins Kosovo gesetzt. Sie sollten zur "Serbisierung des Kosovos" beitragen, d.h. den Bevölkerungsanteil der serbischen Bevölkerung gegenüber den Albanern dort vergrößern.
In Serbien selbst wollte man sie nicht. Die Flüchtlinge wehrten sich verzweifelt gegen die Abschiebung ins Kosovo. Zum Trauma von Krieg und Flucht kam nun noch der Schock der Erkenntnis, daß sie in Serbien unerwünscht waren. Es spielten sich verzweifelte Szenen ab. Manche Menschen sprangen aus den fahrenden Zügen.
Männer im kriegstauglichen Alter wurden darüber hinaus von der Militärpolizei sofort aussortiert und als "Deserteure" (s.o.) an die Front nach Bosnien geschickt.
Viele der Flüchtlinge wollten daraufhin am liebsten wieder zurückkehren, aber auch dieser Ausweg war ihnen verschlossen. Manchen gelang es doch, sich zu Verwandten in Serbien durchzuschlagen und mit deren Hilfe unterzutauchen.
Einigen wenigen gelang es auf verschlungenen Pfaden, über die sie bis heute nicht in der Öffentlichkeit reden möchten, dennoch nach einiger Zeit wieder nach Knin zurückzukehren. Zu diesen gehörten Kata und ihr Mann. (Kata war während des "Oluja" zufällig bei ihrem Sohn in Belgrad gewesen. Ihrem Mann - damals bereits 70 Jahre alt - war unter dramatischen und traumatischen Umständen die Flucht nach Belgrad gelungen. Diese paar Tage hatten ihn so mitgenommen, daß Kata ihren Mann im ersten Moment nicht wiedererkannt hatte.) Kata kehrte unter Strapazen drei Wochen nach dem "Oluja" nach Knin zurück, ihr Mann drei Monate später.

Das Regime der Kroatischen Armee und Polizei in der "Krajina"

Für die Menschen in Knin, die trotz allem während des Oluja nicht fliehen wollten oder konnten - weil sie den Worten Tudjmans mehr glaubten als dem, was sie sahen, oder weil sie alt oder krank waren, oder kranke Angehörige nicht alleinlassen konnten, für diese Menschen brach erneut eine schwere Zeit an.
Obwohl nirgends in der gesamten "Krajina" der kroatischen Armee Widerstand geleistet wurde - die serbischen Militärs waren bereits abgezogen und die Bevölkerung größtenteils geflohen, ließen die kroatischen Militärs die Dörfer der "Krajina" in Flammen aufgehen. (Einzig die Stadt Knin wurde "nur" geplündert, da Knin als 'historische Stadt der kroatischen Könige' gilt.) Widerstand in den eigenen Reihen wurde schnell gebrochen:

Kata: "Ein kroatischer Bekannter von uns, der - von Beruf Bau-Ingenieur - zur Militäraktion eingezogen worden war und den Oluja daher mitmachen mußte, wurde während der "Befreiung" eines Dorfes von einem anderen Soldaten aufgefordert, ein Haus anzuzünden und zu zerstören. Er bittet um Verständnis, daß er das nicht könne, er sei von Beruf Bauingenieur und er wisse, wieviel Energie und Geld es kostet, so ein Haus zu bauen. Die Aufforderung wird wiederholt und - als er sich noch immer weigert - bedroht ihn der andere Soldat mit der Waffe. Daraufhin zündet er das Haus an. Danach stand er wochenlang unter Schock und sprach fast nichts mehr. Erst nach Wochen konnte er dieses Erlebnis erzählen, für das er sich noch immer schämt."
Natürlich wurde geplündert, bevor die Häuser angezündet wurden. Was nicht mitgenommen wurde, wurde zerstört. Mit der Zerstörung der serbischen Häuser sollte den SerbInnen eine Rückkehr unmöglich gemacht werden.

Doch Haß und Rache der kroatischen Soldaten richtete sich nicht nur gegen materielle Werte. Die wenigen in den Dörfern oder der Stadt Knin verbliebenen Menschen (viele Alte oder Menschen, die in gemischten Ehen lebten) wurden beschimpft, brutal mißhandelt und viele von ihnen umgebracht. Erstaunlicherweise richtete sich der Haß noch mehr gegen die KroatInnen, die - meist wegen des serbischen Ehepartners - auch unter dem serbischen Regime in Knin geblieben waren. Sie wurden - als Verräter - in besonderem Maß gedemütigt und mißhandelt. Wie ich von einer der Frauen aus der Frauengruppe erzählt bekomme, gibt es auf dem Friedhof in Knin eine ganze Anzahl von anonymen Gräbern, in denen offensichtlich KroatInnen begraben liegen, die während des "Oluja" von 'ihren eigenen Leuten getötet wurden'. Einige der Leichen wurden exhumiert und dabei entdeckt, daß mehrere Tote in einem Grab übereinander bestattet wurden. Die Namen der Ermordeten werden von der Stadtverwaltung als unbekannt angegeben, da sie ansonsten zugeben müßte, daß es sich um KroatInnen handelt. Offensichtlich leben jedoch noch Zeugen dieser Verbrechen in Knin. Es ist nur zu hoffen, daß auch für diese Verbrechen die Schuldigen irgendwann zur Verantwortung gezogen werden.

Allerdings gab es auch andere Beispiele. Ein Freund von Kata, der mit seiner Frau nicht aus Knin geflohen war, berichtete, daß die Grausamkeiten und Brutalitäten in erster Linie von der Spliter Armeedivision verübt wurde. Die Soldaten aus Varazdin verhielten sich dagegen relativ korrekt. Kata und ihr Mann hatten Glück im Unglück, daß in ihrem Haus eine Kommandoeinheit Quartier machte, die aus eher kultivierten Offizieren bestand. Sie retteten die Dinge, die nach den Plünderungen noch übrig waren und übergaben sie später vollständig den Besitzern.

Als es Kata - drei Wochen nach dem "Oluja" - gelang, nach Knin zurückzukehren, konnte sie nicht in ihr Haus, da in diesem ja die Kommandoeinheit saß. Sie (und auch später ihr Mann) kam bei Freunden unter, bis sie dann Monate später in ihr Haus zurückkehren konnten.
Die Zeit nach der "Befreiung" Knins durch die kroatische Armee war für Kata, wie sie sagt, die schlimmste.
Sie, die angesichts des Unrechts und der Grausamkeiten, die die serbischen Nationalisten verübt hatten, immer überzeugt gewesen war, "daß mein Volk nicht zu so etwas fähig wäre", mußte erkennen, daß "sie kein bißchen besser - eher noch schlimmer waren".
Sie hatte als Kroatin die Zeit des serbischen Regimes überstanden, in der sie trotz allem als Lehrerin weiter in der Schule unterrichtet hatte. Die neuen kroatischen Machthaber kündigten ihr dagegen sofort, weil sie ja eine "Verräterin" war, sie hatte es "vorgezogen mit den Serben zu leben, als ihr Volk vertrieben wurde".
Auch die anderen KroatInnen, die unter den Serben in Knin geblieben waren, verloren ihren Arbeitsplatz, Serben selbstverständlich auch.
Schließlich blieb ihr nichts übrig, als mit einem Putzjob ihr Überleben zu sichern.

Um die nach dem "Oluja" fast menschenleere "Krajina" zu "kroatisieren", rief das Tudjman-Regime kroatische Flüchtlinge aus Bosnien auf, die "Krajina" zu besiedeln. Eine große Anzahl dieser bosnischen Kroaten folgte der Aufforderung und siedelte sich in Knin und anderen Orten der "Krajina" an. Damit wollte die kroatische Regierung eine Rückkehr der SerbInnen dauerhaft verhindern. Von der ehemaligen kroatischen Bevölkerung der "Krajina", die von den Serbischen Nationalisten vertrieben worden waren, kehrte bisher nur ein kleiner Teil wieder zurück. Viele von ihnen sind damals ins Ausland geflohen und können sich eine Rückkehr nicht vorstellen.
Viele der bosnischen Kroaten, die während des "Krieges im Krieg"5 aus Zentralbosnien geflohen waren, waren (und sind auch heute noch) glühende Nationalisten, die ihren Haß gegenüber Serben und Muslimen fanatisch auslebten. Sie stellten nun die Bevölkerungsmehrheit in der "Krajina" und besetzten sämtliche führende Positionen. Sie wehrten sich vehement gegen die Forderung der internationalen Gemeinschaft, daß alle Vertriebenen an ihren Heimatort und in ihr Haus zurückkehren können.
Eine Rückkehr der Serben wurde von Ihnen mit allen Mitteln - unterstützt von der kroatischen Regierung - verhindert . Serben bekamen kein Visum, um überhaupt nur zu Besuch zu kommen und zu sehen, in welchem Zustand ihre Häuser waren. Falls es einigen wider Erwarten doch gelang, nach Kroatien zu kommen, wurde ihnen der Nachweis ihrer Existenz (die Geburtsurkunde) bzw. der Eigentümerschaft über ihren Besitz (Urkunde über Grundbucheintrag) verweigert. Angeblich gab es dann keine Unterlagen mehr. Viele Unterlagen in der Verwaltung waren auch im Oluja gezielt vernichtet worden. Ohne diese Papiere war es unmöglich - auch nicht über das UNHCR oder andere internationale Hilfsorganisationen - die Rückkehr zu erreichen.
Ohne Hilfe von KroatInnen, die versuchten, mit unterschiedlichsten Methoden an die benötigten Papiere zu kommen, war es für SerbInnen unmöglich zurückzukehren. Falls es ihnen - trotz aller Widrigkeiten - dennoch gelang, begannen die gezielten Schikanen: Vielen wurde der Zugang zu ihrem Haus verwehrt. Falls niemand in ihrem Haus wohnte, weil es zerstört war, bekamen sie keine Genehmigung (vom kroatischen Staat), es wieder aufzubauen. Sie bekamen keine Arbeit. In den alten Betrieb wurden sie nicht übernommen, "weil die Quote für Serben erfüllt war". Die Quote für Serben war 0. Baumaterial bekamen sie nicht, weil sie keine Baugenehmigung hatten. Täglich erlebten sie Demütigungen, wurden beschimpft, bedroht und teilweise körperlich angegriffen. Sie lebten in Todesangst vor nächtlichen Überfällen, mit Bombendrohungen, in Angst um ihre Kinder. Von der Polizei brauchten sie diesbezüglich keine Hilfe zu erwarten, auch sie bestand überwiegend aus Nationalisten, die sich an der Zerstörung serbischer Häuser während des Oluja und danach beteiligt hatten.
Humanitäre Hilfe erhielten sie eine Zeitlang vom UNHCR. Aber auch alteingesessene Kniner KroatInnen halfen oft ihren serbischen Nachbarn. Dafür wurden sie wiederum angefeindet von den Nationalisten.
Dragan meint dazu: "Es gibt im Moment die geringsten Probleme zwischen den serbischen Rückkehrern und den alteingesessenen Kniner Kroaten. Beiden wird das Leben schwer gemacht durch die bosnisch-kroatischen Fanatiker. Es ist eine groteske Situation."

Knin heute

Mit der Niederlage der nationalistischen HDZ (der Partei des inzwischen verstorbenen Ex-Präsidenten Tudjman) bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen Anfang diesen Jahres schlug Kroatien den Weg zur Demokratie ein. Die neue Regierung unter Ministerpräsident Racan und President Mesic macht ernst mit der Rückkehr der Vertriebenen. In den ersten Monaten nach dem Regierungswechsel sind bereits Tausende serbische Familien nach Slawonien zurückgekehrt und auch die Rückkehr in die "Krajina" nimmt zu. Die staatlichen Barrieren wurden aus dem Weg geräumt.
Doch die fanatische Stimmung in der "Krajina" ist geblieben oder hat sich noch verschärft. Wütend über den Sieg der früheren Opposition (einer Koalition aus sechs Parteien) über die HDZ machen die Nationalisten in Knin und der "Krajina" (eine HDZ-Hochburg) Stimmung gegen die Regierung, "die Kroatien verrät". Das Klima ist angespannt. Die bosnischen Kroaten haben viel zu verlieren: Sie haben sich im Glauben an Tudjmans Versprechungen in den serbischen Häusern angesiedelt in der Meinung, für immer da zu bleiben. Sie dominieren zahlenmäßig derzeit noch absolut die Bevölkerung6 und versuchen mit allen Mitteln die Rückkehr der SerbInnen zu verhindern, da sie um ihre Existenz und ihren Einfluß fürchten.

Neben der angespannten Stimmung in der "Krajina" ist die völlig desolate wirtschaftliche Situation das zweite große Problem. Die "Krajina" gehört nun zu den ärmsten Gebieten in Kroatien. Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Wirtschaft und Infrastruktur haben sich von den Zerstörungen im Krieg nicht erholt. Kaum einer der ehemaligen Betriebe arbeitet und wenn, dann mit einer minimalen Belegschaft. (z.B. von 3.500 Arbeitsplätzen in der Schraubenfabrik früher gibt es nun noch 150).
Der größte Teil der Bevölkerung - insbesondere aber die Rückkehrer - lebt in Armut.
Knin ist wieder Militärstützpunkt. Die Prostitution blüht. Sie erscheint für viele junge Frauen als einzige Möglichkeit zum Überleben. Kata erzählt mir, daß minderjährige Mädchen sich teilweise für 20 Kuna (das sind etwa 5 DM) anbieten, um etwas zum Essen kaufen zu können.
Aber auch viele alte Menschen leben unter unvorstellbaren Bedingungen. Viele sind alleine ohne Angehörige zurückgeblieben. Viele sind krank. Die Rente reicht nicht zum Überleben. Oft leben sie in abgelegenen noch halb zerstörten Dörfern. Sie sind auf die Unterstützung von NachbarInnen angewiesen oder auf die Hilfe der Frauen von "Nada".

Die Frauengruppe "Nada" Knin

1996 - etwa ein Jahr nach dem "Oluja" - schlossen sich einige Kniner Frauen zur Frauengruppe Knin zusammen. Initiiert hatten die Gründung der Gruppe Aktivistinnen des "Zentrums für Frauen als Kriegsopfer" in Zagreb, die in dieser Zeit den Frauen in den ehemals serbisch besetzten Gebieten psychosoziale Hilfe leisteten und die Bildung von Selbsthilfegruppen anregten. Die ersten Treffen waren von den Zagreberinnen begleitet und dienten einer ersten Entlastung der Kniner Frauen.
Fast alle Frauen der neugegründeten Selbsthilfegruppe waren mit Serben verheiratete Kroatinnen, die während der gesamten Zeit in Knin ausgehalten hatten. Alle waren sie stark traumatisiert und die Gruppe bot die erste Gelegenheit seit Jahren, die erlebten Schrecken und die lange in sich verschlossenen Gefühle und Gedanken auszusprechen. Gleichzeitig entwickelten die Frauen ein Hilfesystem, mit dem sie sich gegenseitig unterstützten und gleichzeitig anderen - den Ärmsten in der Gesellschaft - zu helfen versuchten. Aus der Selbsthilfegruppe entstand so eine äußerst aktive kleine Organisation, die sich als "Frauengruppe Nada (Hoffnung) Knin" 1997 offiziell registrieren ließ. In Zusammenarbeit mit größeren Hilfsorganisationen, so z.B. der Gruppe "Altruist" oder dem US-Amerikanischen Flüchtlingskommitee (ARC), leisteten die anfangs 14 Frauen Unglaubliches:
Sie entwickelten ein Hilfsprogramm für alte Menschen, überwiegend alte Frauen, das sich nicht nur auf Knin sondern insbesondere auch auf die Dörfer in der weiteren Umgebung erstreckt. Sie besuchen die alten und meist kranken Menschen regelmäßig, beschaffen Lebensmittel, Kleidung, Heizmaterial und Medikamente, erledigen Behördengänge oder organisieren Pflege.
Ihr Hilfe erstreckt sich auf alle, die es nötig haben. Dies trägt ihnen die Anfeindung der kroatischen Nationalisten ein. Kata erzählt, wie sie einmal in einem Dorf, in dem noch einige alte SerbInnen leben, am Straßenrand auf das Auto wartete, das sie wieder nach Knin bringen sollte. Ein Militärfahrzeug hielt und bot ihr an, sie mitzunehmen. Sie lehnte dankend ab, mit dem Verweis, daß ein Auto einer Hilfsorganisation sie abholen würde. Auf Nachfrage erklärte sie, daß sie hier einige Alte besucht hatte, denen sie half. Der kroatische Soldat spuckte ihr daraufhin mitten ins Gesicht und beschimpfte sie dafür, daß sie Serben helfen würde. Sie war noch froh, daß er sie nicht geschlagen hatte.
Neben der Hilfe für alte Menschen organisieren die Frauen von "Nada" Unterstützung für Frauen und Kinder, die unter oft verzweifelten und bitterarmen Bedingungen leben. Auch hier machen sie keinerlei Unterschiede: sie helfen den "Dagebliebenen" (Kroaten und Serben), sie helfen den RückkehrerInnen (Kroaten und Serben) und sie unterstützen bosnisch-kroatischen Familien die in Armut leben.
Für die Vorschulkinder, die, weil die Mütter keinen Arbeitsplatz haben, kein Recht auf einen Kindergartenplatz haben, organisieren sie Vorschulgruppen, die von einigen der arbeitslosen oder pensionierten Lehrerinnen betreut werden. Sie organisieren materielle Hilfen für Mütter und Kinder.
In ihrer Arbeit mit den Frauen und Kindern werden sie immer wieder mit dem Problem familiärer Gewalt konfrontiert, mit dem sie allerdings von den Sozialen Diensten bisher allein gelassen wurden.
Kata besucht sogar regelmäßig - und das ist für diese Gesellschaft geradezu ungeheuerlich - zwei Prostituierte, deren insgesamt 8 Kindern sie ebenfalls zu helfen versucht, so gut sie es kann.
Für einige Frauen und Kinder, die besonders von Armut und Gewalt betroffen sind, bemühten sich die Frauen von "Nada" um einen Erholungsaufenthalt im SEKA-Haus im Sommer 2000.

Psychologin Dubravka mit der kleinen Monika aus Knin
"Am Anfang überwiegt die Angst "
Psychologin Dubravka mit der kleinen Monika aus Knin

Ein anderer wichtiger Schwerpunkt in der Arbeit der Frauengruppe ist das Besorgen von Dokumenten für Rückkehrer. Ohne Geburtsurkunde kann niemand beweisen, daß er oder sie früher in Knin gelebt hat. Ohne Grundbuchauszug kann der Besitz des eigenen Hauses nicht nachgewiesen werden. Diese Dokumente zu bekommen ist außerordentlich schwierig (s.o), es erfordert Beziehungen, Geschick, Geld oder sonstige "Gaben". Für Hunderte von Menschen haben Kata und ihre Mitstreiterinnen bisher diese Dokumente besorgt. Allein in den paar Tagen, in denen ich bei Kata zu Besuch war, kamen 6 Menschen, um sie um diese Hilfe zu bitten. Dabei können die Hilfesuchenden in den seltensten Fällen das Geld aufbringen, das für die Beschaffung nötig ist. Eigentlich kostet ein solches Dokument etwa 8 DM. In der Regel muß man aber einen Betrag zwischen 25 und 100 DM über den Tisch schieben. Dieses Geld wird von den Aktivistinnen in der Regel aus eigener Tasche bezahlt. Es gibt keinen Fonds für so etwas - auch nicht bei den Hilfsorganisationen. Kata und Dragan investieren regelmäßig einen erheblichen Teil ihrer Renten, bzw. des Honorars, das Kata als Volontärin bekommt; in ihre Hilfsaktionen. Abgesehen vom Geld kostet es Nerven und Zeit.

Auf die Frage an die Aktivistinnen von "Nada" (inzwischen sind noch 7 Frauen in der Gruppe aktiv), warum sie sich so stark für andere engagieren, obwohl dieses Engagement sie fast täglich an den Rand der Erschöpfung bringt - oder darüber hinaus, antwortet eine: "Das hat mit meiner Selbstachtung zu tun. Ich könnte es nicht ertragen, nichts zu tun. Dann hätte ich das Gefühl, daß ich all das Unrecht hier unterstütze." Eine andere sagt: "Wir helfen uns selbst, in dem wir anderen helfen. Das Gefühl der Hilflosigkeit ist das Schlimmste. So aber bekomme ich doch immer wieder viel zurück, von den Kindern, den Frauen, den alten Menschen." Kata sagt schließlich: "Ich bin so verwurzelt mit dieser Stadt, trotz allem, ich will mit allen Kräften dazu beitragen, daß wir hier irgendwann wieder alle gut leben können." Dann seufzt sie und meint: "Aber das ist noch ein weiter Weg - ob ich das noch erlebe?"
Als wir vom Treffen mit der Frauengruppe nach Hause gehen, frage ich Kata, wieso sie sich eigentlich als Frauengruppe engagieren. Nach einigem Nachdenken entgegnet sie: "Komisch, darüber habe ich nie nachgedacht, aber ich glaube für mich ist die Zusammenarbeit und die Kommunikation mit Frauen leichter. Ich kann auch leichter über meine eigenen Probleme sprechen. Und wenn ich genau hinschaue engagieren wir uns auch in erster Linie für Frauen und Kinder. Sie sind am meisten betroffen, ob von der Armut oder der Gewalt, sie brauchen unsere Hilfe."

Noch immer liegt eine depressive Atmosphäre über Knin, noch immer gibt es Spannungen, Haß, extreme Armut und Verzweiflung. Der Weg zu einer demokratischen und sozialen Gemeinschaft, in der alle ihren Platz und ihr Auskommen haben und in Frieden leben können, ist noch weit und wird mühsam sein. Doch es gibt Hoffnung - mit diesem Gefühl fahre ich zurück - solange es solche Menschen wie Kata, Dragan und ihre Freunde oder die Frauen der Frauengruppe "Nada" gibt.

Gabriele Müller


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Anmerkungen

1: Die Region "Krajina" in Kroatien wurde 1991 von serbischen Paramilitärs zur Serbischen Republik "Krajina" erklärt, der zusätzlich die serbisch besetzten Gebiete West- und Ostslawoniens zugeschlagen wurden. Durch Unterdrückung und Gewalt bis hin zu Massakern von seiten serbischer Paramilitärs und der Jugoslawischen Volksarmee wurde ein großer Teil der kroatischen Bevölkerung vertrieben. 1995 wurde das Gebiet in der Militäraktion "Oluja = Sturm" von der kroatischen Armee zurückerobert und dabei vollends verwüstet.

2: In Jasenovac hatten die kroatischen Faschisten (Ustascha) während des zweiten Weltkriegs ein Konzentrationslager, in dem viele Serben gefoltert und umgebracht wurden.

3: Arkan, ein Krimineller, wurde vom Milosevic-Regime dazu benutzt, mit seinen "Spezialeinheiten" sowohl in Kroatien als auch in Bosnien und später im Kosovo "die Schmutzarbeit zu erledigen, d.h. unvorstellbare Grausamkeiten und Massaker an der Zivilbevölkerung zu begehen, mit dem Ziel der "ethnischen Säuberung".

4: Letzten Endes blieben viele Flüchtlinge aus der "Krajina" im serbisch besetzten Teil von Bosnien und leider ließen sich viele dazu benutzen, die "ethnischen Säuberungen" in der Republika Srpska erneut anzuheizen. Viele muslimische und kroatische Familien wurden z.B. in Banja Luka brutal aus ihren Wohnungen vertrieben, um in diesen dann serbische Flüchtlinge aus der "Krajina" unterzubringen.

5: Im 'Krieg im Krieg' (Frühjahr 1993 -Frühjahr 1994) brach die bosnisch-kroatische Miliz HVO ihr bisheriges Bündnis mit der bosnischen Armee gegen die serbischen Milizen und die Jugoslawische Volsarmee und eröffnete den Zweifrontenkrieg gegen Zentralbosnien. Die HVO wurde von fanatischen kroatischen Nationalisten geführt, die für zahlreiche Massaker, Kriegsverbrechen und Folter- / Vergewaltigungslager verantwortlich sind. Ziel der Offensive und Vertreibungspolitik der HVO war die Eingliederung der Herzegowina nach Kroatien. Im Zuge dieser Politik flohen viele Kroaten aus dem überwiegend von Muslimen besiedelten Zentralbosnien.

6: Von 15.000 EinwohnerInnen 1999 (alter Kreis Knin) waren nur etwa 7.000 ehemalige Einwohner Knins. Die restlichen 8.000 waren bosnische Kroaten. Von den 7.000 alteingesessenen Einwohnern waren der größte Teil RückkehrerInnen (davon 1.600 KroatInnen und 4.600 SerbInnen). Nur etwa 400 KroatInnen und 400 SerbInnen haben den gesamten Krieg und zuerst die serbische dann die kroatische Gewaltherrschaft in Knin überlebt. Dies sind entweder alte Menschen oder Menschen, die in gemischten Ehen / Familien leben.