Gorazde, Ende April 2011
Liebe SEKA-Freundinnen und Freunde,
diese Woche scheint nun auch nach Gorazde der Frühling zurückzukehren, nachdem wir letzte Woche nochmals einen massiven Wintereinbruch hatten.
Als ich aus dem Libanon zurückkehrte, konnte unser Flugzeug aufgrund heftiger Schneefälle nur mit Mühe auf dem Sarajevoer Flughafen landen und auch die Fahrt nach Gorazde durch tief verschneite Berge geriet zum Abenteuer.
Im Libanon hatten meine Kollegin Edita Ostojic und ich die letzten beiden Fortbildungsseminare mit zwei Teams der palästinensisch-libanesischen Organisation Najdeh geleitet. Mit beiden Gruppen haben wir die jeweils dreijährige Fortbildungsreihe nun abgeschlossen. Die beiden Teams (insgesamt 25 Mitarbeiterinnen) arbeiten überwiegend mit den Flüchtlingen des Nahr-el-Bared-Flüchtlingscamps, das 2007 von der libanesischen Armee vollkommen zerstört worden war. (Vielleicht erinnern Sie sich an meinen Bericht über die ersten Seminare im Jahr 2008 im SEKA-Journal 19.)
Alle Mitarbeiterinnen waren durch diesen Krieg auch selbst von neuem traumatisiert worden. In den drei Jahren hatten sie Gelegenheit, einerseits durch Selbsterfahrung an ihrer eigenen traumabezogenen Stabilisierung zu arbeiten, andererseits sich theoretisches und praktisches Wissen für ihre Arbeit mit anderen Betroffenen anzueignen.
Während der letzten beiden Seminare arbeiteten wir an den Themen ‘Beratungsarbeit auf der Basis der Philosophie und Methode des Psychodramas’, ‘traumatherapeutische Stabilisierung in der Arbeit mit Kindern / Arbeit mit Eltern’ und ‘Prävention bzgl. Burn Out’ (dieses Thema empfanden die Teilnehmerinnen als besonders wichtig). Der letzte Tag diente der Evaluierung des persönlichen und professionellen Prozesses, den jede der Teilnehmerinnen in den drei Jahren durchlaufen hatte, und dem Abschluss der Gruppenarbeit. Viele der Teilnehmerinnen äußerten, dass sie sich zu Anfang der Fortbildungsreihe in einer tiefen Krise befunden hätten und eher eine Abwehr gegenüber der Fortbildung empfunden hätten („Wir haben anderes zu tun, als hier herumzusitzen”). Doch diese Einstellung änderte sich bereits nach dem ersten Seminar deutlich. Mit jedem Seminar konnten sie sich mehr auf die Gruppe, die Methoden und auf ihren persönlichen Prozess einlassen. Durch die Evaluierung wurde deutlich, wie sehr sie sich durch die Seminare verändert haben und wie viel sich auch in ihrem Leben verändert hat - trotz noch immer sehr schwieriger Lebensbedingungen.
Alle Teilnehmerinnen empfinden ihre Gruppe und die gemeinsame Arbeit als außerordentlich unterstützend. In einer der letzten Einheiten planten sie gemeinsam, wie sie einerseits ihre Erfahrungen und ihr Wissen auch an andere Kolleginnen weitergeben und andererseits, wie sie sich ihre eigene Gruppe auch in Zukunft als wichtige Ressource sichern können. Wir freuen uns sehr über die Früchte, die unsere Arbeit trägt.

In den letzten Wochen haben wir bereits mit den Vorbereitungen für den diesjährigen therapeutischen Erholungsaufenthalt in Neum begonnen. Die Zimmer und Arbeitsräume in der Pension in Neum sind reserviert. Die Busreise mit dem Unternehmen vereinbart. - Wir hoffen nur, dass sich der bisher kalkulierte Preis wegen der galoppierenden Benzinpreise nicht erhöht. Zurzeit erstellen wir eine vorläufige Liste der Frauen und Kinder, denen wir in diesem Jahr eine Teilnahme am Erholungsaufenthalt ermöglichen möchten. Die Kriterien sind dieselben wie auch in den Vorjahren: eigene Traumatisierung oder Traumatisierung bzw. psychische Erkrankung von Familienmitgliedern, gesundheitliche Probleme und ökonomisch schwierige Situation der Familie.
Die Auswahl der Frauen und Kinder treffen wir auch in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit der Sozialarbeiterin und der Psychologin des Zentrums für psychische Gesundheit in Gorazde, in Zusammenarbeit mit dem Sozialarbeiter des Veteranenprojekts und mit der Sozialarbeiterin des Projekts ‚Die Familie stärken’ des SOS-Kinderdorf-Kindergartens in Gorazde, das mit Familien in Krisensituationen arbeitet.
Die Finanzierung von insgesamt 22.062,- € (für eine Gruppe von 20 Frauen und Kindern an 12 Tagen) ist großartigerweise inzwischen gesichert:
Die Stiftung Sternstunden hat uns in diesem Jahr einen Zuschuss von 15.000 € zugesagt. Ca. 7.000 € konnten wir durch zweckgebundene Spenden an SEKA Hamburg - größtenteils durch die Postkarten-Kampagne „Schenken Sie Glückstage” - sowie über die Spendenplattform ‚betterplace’ sammeln. Wir danken allen Spenderinnen und Spendern und der Stiftung Sternstunden ganz herzlich.
Während des Erholungsaufenthalts (vom 20.06. - 01.07.2011) werden auch in diesem Sommer Amina Vrana und Amela Drincic jeweils 4 Stunden täglich therapeutisch-pädagogisch mit den Kindern arbeiten. Die therapeutische Arbeit mit den Frauen (parallel zur Arbeit mit den Kindern) leiten wie schon in den letzten Jahren die Kolleginnen Nurka Babovic (Zenica) und Arijana Catovic (Sarajevo).
Über den Verlauf der ‚Glückstage’ berichten wir dann wie stets im nächsten SEKA-Journal, das wieder Ende des Jahres erscheinen wird.
Und nun zu den SEKA-Aktivitäten der letzten 6 Monate:


Die regelmäßigen Angebote für die lokale Bevölkerung im SEKA-Haus stellen nach wie vor den größten Teil des SEKA-Programms dar, der vom 5-köpfigen SEKA-Team (Koordinatorin Esma Drkenda, Projektleitung Gabriele Müller, Dipl. Pädagogin Amina Vrana, Sekretärin Vera Dacic und Volontärin Amela Drincic) geleistet wird. Für besondere Aktivitäten (Organisation und Betreuung von Seminaren oder offenen Terminen, bzw. Vertretung von Sekretärin Vera Dacic) springt Vereinsfrau Mediha Kamenica stundenweise ein.
Das regelmäßige SEKA-Programm beinhaltet:
Die laufenden Aktivitäten für die lokale Bevölkerung wurden noch immer hauptsächlich durch Förderbeiträge und Spenden an SEKA Hamburg finanziert. Daneben unterstützt uns auch in diesem Jahr wieder die Stadt San Sebastian über die spanisch-baskische Organisation SOS Balkanes.
Von September 2007 bis Ende März 2011 nahmen insgesamt 503 TeilnehmerInnen für durchschnittlich 53,37 Stunden an unterschiedlichen SEKA-Angeboten teil.
| Davon: | Anzahl |
|---|---|
| Frauen | 244 |
| Kinder / Jugendliche (davon Mädchen: 111 + Jungen: 110) |
221 |
| Männer (überw. Veteranen) | 38 |
| -------------------------------- | |
| Es nahmen teil | |
| an therap. Erholungsaufenthalten | 80 |
| an Therapiegruppen für Frauen | 48 |
| an einzeltherapeutischen Terminen mit Frauen | 69 |
| an Gruppenarbeit mit Kindern / Jugendlichen | 72 |
| an Einzelarbeit mit Kindern / Jugendlichen | 26 |
| an Projektarbeit mit Kindern / Jugendlichen | 126 |
| an Fach-Fortbildungen im SEKA-Haus | 46 |
| an externen Fach-Fortbildungen | 55 |
| an offenen Terminen für Frauen | 81 |
| an offenen Terminen für Kinder | 97 |
| an Seminaren im Klub „Svjetlost Drine” | 25 |
| an Einzelarbeit mit Männern (überw. Veteranen) | 16 |
| an Familienberatung | 23 |
| an Supervisionen | 44 |
| Viele KlientInnen nahmen an mehreren Angeboten teil. | |
Von August 2010 bis Januar 2011 wurde ein Teil der einzel- und gruppentherapeutischen Arbeit mit Frauen sowie mit Veteranen durch die UN-Entwicklungsorganisation UNDP gefördert.

Die Projektausgaben für SEKA Gorazde beliefen sich im Jahr 2010 auf knapp 70.000 €. Ca. 60% dieser Ausgaben wurden durch Spenden und Zuschüsse über SEKA Hamburg finanziert, der größte Teil durch private Förderbeiträge und Spenden, das heißt, durch Ihre Unterstützung! Dafür danken wir Ihnen allen sehr herzlich - im Namen der Frauen, Kinder und Familien, denen die SEKA-Arbeit zugute kommt!
Wir freuen uns, wenn Sie uns weiter treu bleiben!
Wie schon im letzten Rundbrief erwähnt, ist es auch möglich, online an SEKA zu spenden: über die betterplace-Spenden-Plattform und über die „Payback-Spendenwelt” (hier können Sie Ihre Payback-Punkte spenden). Dieser link leitet Sie weiter.
Außerdem können Sie sich auf den SEKA-Projektseiten auf betterplace über die SEKA-Aktivitäten informieren. Gabriele Müller schreibt dort regelmäßig Blogs.
Und wir freuen uns, wenn Sie SEKA auf betterplace ‚Bewertungs-Sternchen’ geben. Jede Bewertung hilft SEKA, als Top-Projekt die Aufmerksamkeit potentieller SpenderInnen auf sich zu ziehen. Um bewerten zu können, müssen Sie sich nur als BenutzerIn auf betterplace registrieren bzw. einloggen und dann die SEKA-Projektseiten aufsuchen.
Wir wünschen Ihnen allen nun schöne Sommermonate und einen erholsamen Urlaub!
Mit herzlichen Grüßen
Ihr SEKA-Team Gorazde und
die Hamburger Vereinsfrauen