Gorazde, 11.06.2010
Liebe SEKA-Freundinnen und Freunde,
nach wochenlanger Kälte und Regen "wie aus Kübeln" ist jetzt hier schlagartig der Sommer ausgebrochen - mit Temperaturen über 30 °C. Wir hoffen innigst für unsere "Glückstage", dass das so bleibt. Und hier gleich zu Anfang die gute Nachricht: Die Glückstage in diesem Jahr sind vollkommen finanziert! Das ist wunderbar, denn nun können wir uns in aller Ruhe und ohne Finanzsorgen auf die Vorbereitungen konzentrieren.
Die in diesem Jahr notwendige Summe von 22.012,- € kann finanziert werden durch:
- die erneute Förderung der Stiftung des Bayrischen Rundfunks "Sternstunden / Wir helfen Kinder" in Höhe von 12.000,- €
- einen erneuten Zuschuss von 3.000,- € der Dr. Ursula-Schmid-Kayser Kinderfondsstiftung
- ein weiteres Benefizkonzert der 'Gospel-People' und viele, viele kleinere und größere Privatspenden im Rahmen unserer diesjährigen 'Glückstage-Kampagne', sowie über die Internet-Spenden-Plattform 'Betterplace' (insgesamt 7.012,- €).
Den Geldgebern, dem Chor 'Gospel-People' und allen privaten SpenderInnen, die bei der Finanzierung der diesjährigen 'Glückstage' mitgeholfen haben, danken wir sehr herzlich!
Wie auch in den vergangenen Jahren haben wir die TeilnehmerInnen für die Gruppe nach folgenden Kriterien ausgesucht:
- eigene (Kriegs-)Traumatisierung oder
- Traumatisierung mindestens eines anderen Familienmitglieds oder
- psychische Erkrankung eines Familienmitglieds
- gesundheitliche Probleme
- schwierige ökonomische Situation der Familie

Glückstage in Neum 2009
Die Gruppe, die wir nun definitiv zusammengestellt haben, besteht aus 8 Müttern mit 12 Kindern im Alter zwischen 5 und 13 Jahren (davon 4 Mädchen und 8 Jungen). Die Auswahl der Frauen und Kinder trafen wir in Zusammenarbeit mit der Sozialarbeiterin und der Psychologin des Zentrums für psychische Gesundheit in Gorazde, in Zusammenarbeit mit dem Sozialarbeiter des Veteranenprojekts und mit der Sozialarbeiterin des Projekts 'Die Familie stärken' des SOS-Kinderdorf-Kindergartens in Gorazde, das mit Familien in Krisensituationen arbeitet.
Alle Mütter haben den Krieg in Bosnien überlebt, einige zusätzlich Gewalt durch ihre Ehemänner. Die Kinder haben zwar den Krieg nicht mehr selbst erlebt, sind aber stark betroffen von den Traumata der Eltern. Auch mehrere der Väter sind schwer kriegstraumatisiert. Alle Familien leben unter ökonomisch sehr schwierigen Bedingungen. Mehrere Frauen und Kinder haben - neben der Traumatisierung - gesundheitliche Probleme. Für alle ist der Erholungsaufenthalt dringend notwendig.
Vergangenen Mittwochabend hatten wir ein erstes Vortreffen mit den Mütttern, bei dem diese uns Mitarbeiterinnen und sich untereinander ein wenig kennenlernen konnten sowie Informationen über die SEKA-Arbeit an sich und den Erholungsaufenthalt im Besonderen bekamen. Wir besprachen die wichtigsten organisatorischen Fragen. Das Treffen fand in fröhlicher Atmosphäre statt. Die Aufregung und Vorfreude der Frauen war deutlich zu spüren. Eine der Mütter meinte: "Ich kann es noch immer nicht glauben, dass meine Kinder und ich ans Meer fahren können... dass auch uns mal etwas Schönes geschieht - in diesem schweren Leben!" Und eine andere sagte: "Ich danke Euch und all den Menschen, die das möglich machen - die uns nicht einmal kennen - wie großherzig müssen sie sein, dass sie dafür Geld gegeben haben!"
Das zweite Vortreffen, wird am kommenden Donnerstag (5 Tage vor der Abreise) stattfinden - mit Müttern und Kindern in parallelen Gruppen.
Am 21. 06. geht es dann frühmorgens los Richtung Meer. Die Gruppe wird am späten Vormittag in Neum, dem einzigen bosnischen Ort an der Adria, ankommen.
Die Unterbringung in der Pension von Pero und Snjezana Babic hat schon Tradition. Das Ehepaar bemüht sich jedes Jahr rührend um die Gruppe aus dem SEKA-Haus, Frauen und Kinder sind in großen schön eingerichteten Zimmern untergebracht; zusätzlich werden jedes Jahr zwei zusätzliche große Räume für die Gruppenarbeit leergeräumt.
Ausstattung und Materialien für die Gruppenarbeit mit Kindern und Frauen werden wir (Gabriele Müller und Esma Drkenda) - wie schon in den letzten Jahren - am Tag vor der Ankunft der Gruppe mit unserem Kleinbus aus Gorazde nach Neum transportieren und die Räume vorbereiten.
Während des Erholungsaufenthalts werden Amina Vrana und Amela Drincic jeweils 4 Stunden täglich therapeutischpädagogisch mit den Kindern arbeiten. Die therapeutische Arbeit mit den Frauen (parallel zur Arbeit mit den Kindern) werden - wie schon im letzten Jahr - die Kolleginnen Nurka Babovic und Arijana Catovic aus Zenica übernehmen. Neben der Gruppenarbeit und den Ausflügen zum Strand werden die Kolleginnen weitere Unternehmungen und Aktivitäten organisieren - selbstverständlich auch wieder einen Foto-Workshop mit den Kindern.
Unseren Bericht über die diesjährigen 'Glückstage' finden sie dann im Herbst im nächsten SEKA-Journal.

"Meine Stärken und Ressourcen"
- Arbeit mit Symbolen in der Mädchengruppe
Und nun zu den SEKA-Aktivitäten der letzten 7 Monate:
Seminare und Fortbildungen:
- Anfang Dezember fand im SEKA-Haus das Entscheidungsseminar für die neue Fortbildungsreihe "Traumatherapie mit der Methode Psychodrama und imaginativen und kreativen Techniken" statt. 15 Kolleginnen aus unterschiedlichen sozialen Einrichtungen sowie Gesundheits- und Bildungs-Institutionen der näheren Umgebung (Kanton Gorazde und nahegelegene Orte der Republika Srpska) hatten an drei Tagen Gelegenheit, sich untereinander wie auch den therapeutischen Ansatz in der SEKA-Arbeit kennenzulernen, um sich dann für oder gegen eine Teilnahme an der 3 ½ jährigen Fortbildungsreihe zu entscheiden. 14 der Teilnehmerinnen entschieden sich am Ende des Seminars dafür. (Leitung: Gabriele Müller und Edita Ostojic; Finanzierung des Entscheidungsseminars: Gesundheitsministerium der Foderation BiH und SEKA-Spendengelder)
- Im Dezember und Februar leitete Gabriele Müller zwei weitere 3-tagige therapeutische Seminare mit der dritten Veteranen-Gruppe im Klub 'Svjetlost Drine' - Themen (neben aktuellen Problemen der Teilnehmer): "Selbsthilfe-Techniken und -Übungen", "Kraftquellen und Ressourcen", "Beziehungen" und "Kommunikation (Teil 1)". (Finanzierung: SOS Balkanes / Stadt San Sebastian, Spanien und Gesundheitsministerium der Foderation BiH)
- Im Februar und im Mai fanden dann die ersten beiden regulären (5-tägigen) Seminare der Fortbildungsreihe "Traumatherapie mit der Methode Psychodrama und imaginativen und kreativen Techniken" statt. (Leitung: Gabriele Müller, Edita Ostojic; Finanzierung: Weltfrauengebetstag).
- Im April leiteten Gabriele Müller und Edita Ostojic im Libanon zwei weitere jeweils 5-tägige Fortbildungsseminare zum Thema "Arbeit mit traumatisierten Frauen und Kindern mit der Methode Psychodrama und imaginativen und kreativen Techniken" für zwei Teams der palästinensisch-libanesischen Organisation Najdeh. (Finanzierung: Najdeh mit Hilfe der Forderung durch die schwedische Frauenorganisation "Kvinna till kvinna" / bzw. die schwedische Regierung und andere Geldgeber). Die im März 2008 begonnenen Fortbildungsreihen werden wir im Jahr 2011 mit beiden Teams abschließen.
- Ende Mai / Anfang Juni war es uns ebenfalls dank der Finanzierung durch den Weltfrauengebetstag (Deutsches Komitee) möglich, das erste Supervisionsseminar für die Kolleginnen durchzufuhren, die die letzte Fortbildungsreihe "Traumatherapie" im April 2009 abgeschlossen hatten. (Leitung: Gabriele Müller, Edita Ostojic)
- Anlässlich des "Internationalen Tages der Familie" im Mai fanden in Zusammenarbeit mit dem SOS-Kinderdorf-Kindergarten ein "Runder Tisch" und Workshops für Kinder und Eltern statt. (Leitung: Amina Vrana, Amela Drincic)
Die Arbeit von SEKA Gorazde in Zahlen:
Von September 2007 bis Ende Mai 2010 nahmen insgesamt 423 TeilnehmerInnen für durchschnittlich 47,62 Stunden an unterschiedlichen SEKA-Angeboten teil.
| Davon: |
Anzahl |
| Frauen |
204 |
Kinder / Jugendliche
(davon Mädchen: 89 + Jungen 98) |
187 |
| Männer (überw. Veteranen) |
31 |
| -------------------------------- |
| Es nahmen teil |
| an therap. Erholungsaufenthalten |
60 |
| an Therapiegruppen für Frauen |
41 |
| an einzeltherapeutischen Terminen mit Frauen |
56 |
| an Gruppenarbeit mit Kindern / Jugendlichen |
40 |
| an Einzelarbeit mit Kindern / Jugendlichen |
18 |
| an Projektarbeit mit Kindern / Jugendlichen |
111 |
| an Fach-Fortbildungen im SEKA-Haus |
46 |
| an externen Fach-Fortbildungen |
53 |
| an offenen Terminen für Frauen |
73 |
| an offenen Terminen für Kinder |
78 |
| an Seminaren im Klub "Svjetlost Drine" |
25 |
| an Einzelarbeit mit Männern (überw. Veteranen) |
14 |
| an Familienberatung |
16 |
Die regelmäßigen Angebote für die lokale Bevölkerung im SEKA-Haus stellen nach wie vor den größten Teil des SEKA-Programms dar, der vom 5-köpfigen SEKA-Team (Koordinatorin Esma Drkenda, Projektleitung Gabriele Müller, Dipl. Pädagogin Amina Vrana, Sekretärin Vera Dacic und Volontärin Amela Drincic) geleistet wird. Dieses Programm beinhaltet:
- Therapeutische Einzel- und Gruppenarbeit mit Frauen / Traumatherapie (Gabriele Müller, teilweise Amela Drincic)
- Therapeutisch-pädagogische Einzel- und Gruppenarbeit mit Kindern (Amina Vrana)
- Therapeutisch-pädagogische Gruppenarbeit mit jugendlichen Mädchen (Amina Vrana, Amela Drincic)
- Projekte mit Jugendlichen in Schulen (Bewusstseinsförderung und Vorstellung der SEKA-Arbeit) (Amina Vrana)
- Offene Termine für Frauen: Möglichkeit, zwanglos die SEKA-Arbeit kennenzulernen und sich mit anderen Frauen zu treffen (Vera Dacic, Amela Drincic)
- Parallel dazu: offene Termine für Kinder (Amina Vrana)
- Gemeinsame Feiern: Bajram, Weihnachten und Neujahr (SEKA-Team)
- Arbeit mit Familien (Gabriele Müller, Amina Vrana)
- Supervision für KollegInnen anderer Einrichtungen (Gabriele Müller)
- Regelmäßige Intervision und interne Fortbildungen von Gabriele Müller mit den Fachkolleginnen Amina Vrana und Amela Drincic
- Einzelarbeit / Traumatherapie mit männlichen Familienmitgliedern bzw. Veteranen des Klubs "Svjetlost Drine" (Gabriele Müller)
Die laufenden Aktivitäten für die lokale Bevölkerung wurden bisher hauptsächlich durch die Förderbeiträge und Spenden an SEKA Hamburg finanziert. Zur Zeit unterstützt auch die Stadt San Sebastian über die spanisch-baskische Organisation SOS Balkanes die regelmäßigen Aktivitäten (Gehalt von Amina Vrana und teilweise Vera Dacic)

Kreativ-Workshop mit Kindern: T-Shirts gestalten
- Im November nahm Esma Drkenda an der 4-tägigen internationalen Konferenz "Frauen-Wege zum Frieden" teil, die von der Ökumenischen Fraueninitiative in Omis (Kroatien) organisiert wurde - mit Teilnehmerinnen aus den Ländern des ehemaligen Jugoslawien aber auch aus Albanien und dem Nahen Osten.
- SEKA-Vereinsfrau Hasena Zec nahm im November und Esma Drkenda im Januar an Treffen der regionalen Initiative zur Gründung einer "Regionalen Komission zur Aufklärung von Kriegsverbrechen und schweren Menschenrechtsverletzungen auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien (REKOM)" teil. Die geplante REKOM soll eine ähnliche Funktion haben wie z.B. die "Kommission für Wahrheit und Versöhnung" in Südafrika nach dem Ende der Apartheid.
- Esma Drkenda nahm als SEKA-Repräsentantin außerdem im März und Mai an zwei weiteren Konferenzen teil, zu denen das Justizministerium und das Ministerium für Menschenrechte und Flüchtlinge eingeladen hatte. Ziel der Konferenzen war die Konsultation mit Organisationen der Zivilgesellschaft bzgl. der Ausarbeitung von zukünftigen Gesetzen auf staatlicher Ebene, die den Bedürfnissen von Demokratie und Gerechtigkeit entsprechen sollen.
Weiterhin:
- Regelmäßige Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und Einrichtungen sowie staatlichen Stellen mit dem Ziel der Verbesserung der psychosozialen Dienste im Kanton Gorazde, sowie zur Förderung demokratischer gesellschaftlicher Strukturen.
- Regelmäßige Öffentlichkeitsarbeit - insbesondere in Zusammenarbeit mit dem lokalen Gorazder Fernsehen (hauptsächlich Esma Drkenda und Gabriele Müller).
- Die mehrjährige Arbeit von Gabriele Müller und Edita Ostojic an einer Publikation in der Landessprache zum Thema "Traumatherapie auf der Basis der Methode Psychodrama" hat sich in den letzten Monaten intensiviert und wir hoffen, dass wir diese - inzwischen zu einem richtigen "Lehrbuch" ausgewachsene - Publikation in 2010 fertig stellen und veröffentlichen können.
- Im neuesten Heft des Magazins der Hamburger HAW "Standpunkt: Sozial" findet sich auch ein Artikel von Gabriele Müller über den friedenstherapeutischen Ansatz in der SEKA-Arbeit.
Obwohl Bosnien-Herzegowina und insbesondere die Stadt Gorazde von den populären Reiserouten doch weit entfernt sind, hat das Projekt SEKA in den letzten Monaten immer häufiger Besuch aus dem Ausland bekommen. Darüber freuen wir uns sehr.
Es besuchten uns:
- Mitarbeiterinnen der Ökumenischen Fraueninitiative aus Kroatien
- Österreichische Friedensaktivistinnen
- Eine Journalistin aus Dänemark, die in ihrer Zeitungsreportage ausführlich über die SEKA-Arbeit berichtete.
- Die AktivistInnen der spanisch-baskischen Organisation SOS Balkanes
- Eine Gruppe StudentInnen aus den USA (Philadelphia)
- Eine 30-köpfige Studiengruppe der Philosophischen Fakultät der Uni Regensburg (Fach: Geschichte), die sehr gut vorbereitet und teilweise der Sprache kundig drei Stunden intensiv mit uns diskutierten.
- Im Juli haben sich weitere Besuche angekündigt: Zwei Projektunterstützerinnen aus Berlin und die taz-Bildungsreise, deren OrganisatorInnen (Erich Rathfelder und Amela Maldosevic), dieses Jahr auch einen Besuch in Gorazde und im SEKA-Projekt planen.

Psychodrama-Skulptur zum Thema "Mein innerer sicherer Ort"
Falls Sie vorhaben, nach Bosnien-Herzegowina zu reisen und SEKA besuchen möchten, freuen wir uns. Wir bitten Sie nur, Ihren Besuch rechtzeitig (mindestens einen Monat vorher) anzukündigen, damit wir uns auch für Sie Zeit nehmen können.
Die Projektfinanzierung der letzten beiden Jahre basierte zu mehr als 50 % auf den Förderbeiträgen und Spenden unserer Unterstützerinnen und Unterstützer.
Das heißt, nach wie vor ist SEKA ein "Projekt der Freundinnen und Freunde".
Wir sind froh, dass wir das Spendenaufkommen von SEKA Hamburg in den letzten zwei Jahren auf einem Niveau von ca. 60.000 € halten konnten. Wir danken Ihnen allen für Ihre Hilfe und oft jahrelange Treue!
Seit 2008 ist es - wie viele bereits wissen - auch möglich online an SEKA zu spenden: über die Betterplace-Spenden-Plattform und (seit kurzem auch) über die "Payback-Spendenwelt" (hier können Sie Ihre Payback-Punkte spenden).
Außerdem können Sie sich auf den SEKA-Projektseiten auf Betterplace regelmäßig über die SEKA-Aktivitäten informieren. Gabriele Müller schreibt dort regelmäßig Blogs.
Die Web-Adressen finden Sie auf der SEKA-Homepage unter: Spenden.
Soviel in diesem Rundbrief. Das Journal im Herbst wird dann wieder ausführlicher.
Wir wünschen Ihnen allen nun einen schönen sonnigen Sommer und einen erholsamen Urlaub!
Mit herzlichen Grüßen
Ihr SEKA-Team Gorazde
und die Hamburger Vereinsfrauen