Frauenfriedensprojekt und
Zentrum für Fortbildung,
Therapie und Erholung für Frauen und Kinder
Gorazde / Ostbosnien
Schirmherrin: Bischöfin Maria Jepsen
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am 13. November 2007 um 19.30 Uhr
im Bürgertreff Altona-Nord
Jede traumatische Erfahrung, die nicht verarbeitet bzw. integriert werden kann, hinterlässt tiefe Spuren in der Psyche der Betroffenen. Von anderen Menschen willkürlich zugefügte Verletzungen, langandauernde traumatische Erfahrungen bzw. Vielfach-Traumatisierungen (z.B. Krieg, Gefangenschaft, Folter, Konzentrationslager, aber auch Gewalt in der Familie...) wirken besonders zerstörerisch. Die Betroffenen haben Mühe "im Hier und Jetzt" zu leben, sie fühlen sich, als ob sie sich in gewisser Weise noch immer in der traumatischen Situation befinden. Sie spüren den starken Drang zu entfliehen, zu verdrängen, "zu vergessen" und sind gleichzeitig überflutet von bruchstückhaften massiven Bildern und Gefühlen, die sie nicht kontrollieren können.
Leben mit einem Trauma bedeutet Leben unter fortgesetztem extremem Stress. Besonders erschwerend ist es, wenn die soziale Umgebung das Leiden nicht anerkennt, wenn den Überlebenden keine Gerechtigkeit wiederfährt oder wenn ihnen gar selbst die Schuld gegeben wird. Zusätzlich potenziert wird das Gefühl tiefer Ohnmacht der Überlebenden, wenn die Gesellschaft die Täter - anstelle sie zur Verantwortung zu ziehen - als "Helden" glorifiziert. Dabei wirkt das Trauma nicht nur auf die direkt Betroffenen, sondern - als sekundäres Trauma - auch auf die Menschen, die der betroffenen Person nahe stehen: die (Ehe-) PartnerInnen und insbesondere die Kinder, ja sogar Enkel (Transgenerationen-Trauma).
Doch nicht nur die Opfer auch die Täter müssen mit den "innerpsychischen Folgen" ihrer Taten fertig werden (auch wenn die Gesellschaft sie als "Helden" feiert). Der Preis, den sie für ihre Handlungen bezahlen, ist, dass sie durch ihre Tat(en) einen wesentlichen Teil ihrer Menschlichkeit abtöten, dass sie sich von Gefühlen und Empfindungen sowie ihrer Fähigkeit zur Empathie abschneiden. Die Last ihrer Tat(en) geben sie zudem an ihre Kinder und Enkel weiter. Dies geschieht häufig direkt durch die Fortsetzung des gewalttätigen Verhaltens gegenüber der eigenen Familie oder auch indirekt, dann empfinden die Kinder oder Enkel stellvertretend das Leid, den Schmerz und die Schuld, die der Vater / Großvater (oder auch die Mutter / Großmutter) abgewehrt hat.
Traumatische Erfahrungen, die eine große Anzahl von Menschen, bzw. eine ganze Gesellschaft betreffen (wie z.B. Holocaust, Kriege, Bürgerkriege, Diktaturen...) wirken aber nicht nur als die Summe der Traumatisierung von vielen Einzelnen, sondern zusätzlich auch kollektiv. Die Gesellschaft als Ganzes pendelt zwischen der massiven Verleugnung der geschehenen Verbrechen und dem Bedürfnis nach Aufklärung und Wiederherstellung von Gerechtigkeit. Gerade am Beispiel der Balkanländer wird deutlich, wie langfristig zerstörerisch und konfliktfördernd kollektive Traumatisierungen wirken und wie leicht die nur oberflächlich übertünchten Traumata für die Schürung neuer Konflikte und Kriege benutzt werden können.
Auf der Veranstaltung zum 10jährigen Bestehen des Frauenfriedensprojekts SEKA wollen wir daher zum einen über die komplexe Wirkungsweise bzw. die Sprengkraft unterdrückter und verleugneter individueller und kollektiver Traumata diskutieren. Zum anderen werden Projektleiterin Gabriele Müller und Traumaexpertin und Therapeutin Edita Ostojic den spezifischen "friedenstherapeutischen Ansatz" des Projekts SEKA vorstellen - als einen Weg "aus dem Kreislauf der Gewalt".
Die Teilnehmerinnen der Podiumsdiskussion sind:
Veranstaltungsort:
Bürgertreff Altona-Nord, Bühnensaal, Gefionstr. 3, 22769 Hamburg (S-Bahn Holstenstr.)
Veranstaltet von:
SEKA Hamburg e.V.
Spendenkonten:
Hamburger Sparkasse, BLZ 200 505 50, Kto.Nr. 12 50 12 06 96
GLS Gemeinschaftsbank eG mit Ökobank, BLZ 430 609 67, Kto.Nr. 8027 116 800
Eintritt frei
Die Veranstaltung wird gefördert durch das Nordelbische Missionszentrum - Referat Kirchlicher Weltdienst