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SEKA-Journal Nr. 13 - Dezember 2003 |
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Einführung Erklärung vorweg Keine Gewalt Ein Angebot |
Der kleine Fisch Das Herz "Gemeinsam den 'bösen Geist' besiegen" |
Der knapp 10jährige Stipe kam mit seiner Mutter Diana K. und seinem 6jährigen Bruder Ranko* aus dem Frauenhaus Zagreb zu uns. Schon in den ersten Minuten nach Ankunft der Gruppe wurde deutlich, dass Stipe die anderen Kinder aber auch die Frauen und besonders seine Mutter terrorisierte. Ranko imitierte das Verhalten des grossen Bruders. Alle übrigen Kinder fürchteten sich offensichtlich vor Stipe. Auffallend war insbesondere sein geradezu sadistisches Verhalten, anderen wehzutun und sie dann noch auszulachen.
Es war schon in der ersten halben Stunde nötig, einige Male massiv einzuschreiten, Stipe beiseite zu nehmen und ihm ruhig aber energisch unsere Regeln im SEKA-Haus zu erklären.
Diana hatte ein fast 10jähriges Martyrium hinter sich, in dem sie von ihrem Ehemann regelmässig brutal misshandelt worden war. Die beiden Söhne waren sowohl selbst Opfer als auch Zeugen der Misshandlung ihrer Mutter gewesen. Mehrfach hatte Diana versucht, sich zu trennen, und bei Verwandten oder Bekannten Schutz gesucht. Da der Misshandler aber daraufhin auch diese bedrohte, war sie immer wieder zurückgekehrt, worauf die Intensität der Misshandlung sich jeweils noch steigerte.
Erst etwa 4 Monate, bevor sie ins SEKA-Haus kam, war es ihr gelungen, sich mit ihren Kindern im Frauenhaus in Zagreb in Sicherheit zu bringen.
Im folgenden möchte ich meine Arbeit mit Stipe und seiner Mutter schildern - als ein Beispiel für die Arbeit mit männlichen Kindern, die Gewalt in der Familie erlebt haben.
Bevor ich auf die konkrete Arbeit mit Mutter und Sohn eingehe, möchte ich eine kurze Erklärung vorwegstellen:
Opfer von extremer Gewalt, insbesondere Kinder, können die traumatische/n Situation/en nur so überleben, dass sie sich teilweise mit dem Gewalttäter identifizieren und damit ihre eigenen Gefühle extremer Ohnmacht und Angst abwehren können. Insbesondere bei wiederholter oder langandauernder Gewalterfahrung bildet die Psyche des Opfers ein "Introjekt", das heisst, das sie so etwas wie "einen Teil des Täters in sich hineinnimmt". Dieser "innere Täter" (Introjekt) entwickelt in der Regel eine starke Eigendynamik, wird aber gleichzeitig vom Opfer als Teil ihrer / seiner selbst erlebt. Es ist, als ob ein Teil der Persönlichkeit gegen den anderen Teil kämpft.
Das Introjekt füllt die Funktion des Täters aus, selbst wenn der wirkliche Täter real längst nicht mehr Macht ausüben kann. Insbesondere bei männlichen Kindern, die Misshandlung erfahren, aber auch die Misshandlung anderer Familienmitglieder erleben müssen, bildet sich ein sehr aggressives mit dem Täter identifiziertes Introjekt aus, das die Jungen das gewalttätige Verhalten des Täters fortsetzen lässt. Wenn dann gleichzeitig die Mutter, die selbst Opfer der Gewalt ihres Ehemannes war, den Jungen emotional mit dem Täter verbindet und dadurch weiter als Opfer agiert, setzt sich die gewalttätige Situation zumindest teilweise in der Mutter-Kind-Dynamik fort. Dadurch, dass das Kind in seinem aggressiven Verhalten nicht gestoppt wird, entwickelt es zusätzliche Aggression aber auch gleichzeitig ein negatives von Schuldgefühlen und / oder Selbsthass geprägtes Selbstbild.
Es ist daher von grosser Wichtigkeit, dem Kind einen sicheren aber auch festen Rahmen zu geben, aggressives Verhalten zu unterbinden und ihm gleichzeitig zu helfen, sein eigenes Verhalten aktiv und konstruktiv zu steuern. Dazu ist es einerseits wichtig, positives Verhalten des Kindes positiv zu verstärken, bzw. Situationen zu schaffen, in denen das Kind sich konstruktiv verhalten kann. Gleichzeitig kann im therapeutischen Spiel das Konstrukt des "Introjekts" verwendet (kindgerecht formuliert) und mit der Methode des Psychodramas (mit Hilfe eines Symbols) konkretisiert werden. Parallel dazu muss die Mutter darin unterstützt werden, die Rolle des Opfers abzuschütteln und die Mutterrolle klar und kompetent auszufüllen.
In den ersten Tagen im SEKA-Haus gab es regelmässig Vorfälle am Strand, bei denen Stipe und Ranko die Hauptrolle spielten. Dabei schlugen, stiessen und bedrohten sie teilweise andere Kinder, hauptsächlich aber sehr massiv ihre Mutter, wenn diese sich ihren Wünschen nicht (wie offensichtlich bisher gewohnt) beugen wollte. Die Kolleginnen intervenierten, aber die ersten drei Tage verliefen "im Kampf". Neben den direkten Interventionen führten wir intensive Gespräche mit der Mutter, in denen wir ganz konkret Situationen analysierten und mit ihr mögliche Handlungsweisen bzw. Konsequenzen entwickelten.
Abends im Kucica konnte Stipe sich besser an die Regel "keine Gewalt" halten, da das Kucica mit all dem Spielzeug für ihn sehr interessant war. An den ersten Abenden baute er gemeinsam mit Ranko "Piratenschiffe" aus Legosteinen.
Für die Mutter war es notwendig, dass sie begann, überhaupt wahrzunehmen, was "aggressives Verhalten" ihrer Söhne war, da sie selbst so sehr an dieses Verhalten gewohnt war. Erst massive Aggression nahm sie als solche war, fühlte sich aber dann - wie früher ihrem Ehemann gegenüber - paralysiert und ohnmächtig. Gleichzeitig war sie jedoch sehr bereit, an sich zu arbeiten und nahm jede Unterstützung dankbar an.
Am vierten Tag, an dem ich wieder selbst mit der Gruppe zum Strand fuhr, hatte ich mit Diana, der Mutter der beiden Jungen, abgemacht, dass ich den Tag überwiegend in ihrer Nähe bleiben und sie bei Interventionen, in denen sie den Jungen Grenzen setzte, unterstützen und ihr Verhalten verstärken würde.

"Tante Vesna" mit Kindern aus Zepce
Wie üblich gab es verschiedene Zwischenfälle. Diana versuchte zu intervenieren und ich unterstützte sie. Da Stipe nicht gewohnt war, dass sich seine Mutter wehrte, bzw. ihm Grenzen setzte, steigerte er sich in einen regelrechten Wutanfall hinein, in dem er begann, die Mutter zu schlagen und zu treten. Ich unterband dies sofort, indem ich ihn festhielt, was er sich ohne grosse Gegenwehr gefallen liess. Ich forderte ihn auf, mich anzusehen und erklärte ihm ruhig und klar, dass wir sein aggressives Verhalten nicht dulden würden, dass es in Ordnung sei, wütend zu sein, aber nicht in Ordnung, andere zu terrorisieren, zu bedrohen und zu verletzen. Er hörte mir schweigend zu. Nachdem ich ihn losgelassen hatte, schimpfte er noch leise vor sich hin, äusserte seine Wut auf seine Mutter, beruhigte sich aber allmählich, nachdem ich ihn noch einmal ermahnt hatte.
Etwas später fragte ich ihn, ob er Interesse hätte, dass wir beide mal ein wenig alleine spazierengehen, um über das, was vorgefallen war, zu sprechen.
Zu meinem Erstaunen stimmte Stipe sofort zu. Die Mutter gab gerne ihre Einwilligung.
Auf unserem Spaziergang sprach ich sehr direkt an, was ich sah und empfand: Nämlich dass Stipe, wenn er so einen Wutanfall bekam, nicht mehr aufhören konnte, als ob ihn etwas antrieb, es immer noch schlimmer zu machen. Stipe schaute mich erstaunt an und stimmte mir zu, dass er sich dann so fühlte, als ob ihn etwas antrieb, die anderen zu verletzen. Ich fragte ihn, ob er das gut findet, die anderen zu verletzen. "Nein", meinte er. Ich fragte, ob er denn wüsste, wie sich das anfühlt, wenn jemand gemein und aggressiv ist. Da erzählte er mir, dass sein Vater so sei. Ich fragte ihn daraufhin, was ihm in diesem Moment lieber wäre, wenn er so einen Wutanfall bekommt: Dass jemand ihn stoppte oder dass man ihn machen liesse. Er sagte mir, er wolle, dass jemand ihn stoppe. Ich fragte ihn, ob er fände, dass ich streng sei. Er meinte ja, aber das sei in Ordnung.
Ich erzählte ihm dann ein wenig von meinen Erfahrungen als Kind (auch ich hatte einen gewalttätigen und teils sadistischen Vater) und sagte ihm, dass das für mich ein Grund sei, warum ich Kindern und Frauen, die Gewalt erlebt haben, helfen möchte. Dass ich wüsste, wie schwer es sei, das eigene Verhalten zu ändern, aber dass es möglich sei. Stipe bestätigte mir, dass er sein Verhalten auch gerne ändern wollte, dass er mit seiner Mutter gerne besser auskommen möchte. Wir überlegten gemeinsam, auf welche Art das gehen könnte. Er stimmte meinem Vorschlag zu, dass wir, seine Mutter, er selbst und ich, einmal gemeinsam darüber reden könnten, wie sie besser miteinander auskommen könnten. Auf unserem Weg zurück erzählte mir Stipe dann viele gewalttätige Situationen mit seinem Vater, die er erlebt hatte und konnte mir sagen, wie schrecklich er sich gefühlt hatte.
Den restlichen Tag war er bedeutend ruhiger und abends, bevor die Kinder ins Kucica und die Mütter in den Seminarraum gingen, umarmte er seine Mutter, um sich von ihr zu verabschieden.
In den folgenden Tagen besserte sich Stipes Verhalten allmählich. Es gab Tage, an denen es nur kleine Streitereien mit der Mutter gab. Die Angriffe auf andere Kinder hörten fast völlig auf.
Dann gab es wieder Tage mit einem Rückfall, aber es war leichter, Stipe zu stoppen und ihn an unsere Regeln zu erinnern. Verschiedentlich testete er, wie ernst wir es meinten und musste dann Konsequenzen seines Verhaltens tragen. Auch die Mutter wurde allmählich klarer und konsequenter in ihrem Verhalten. Dazu trug neben den vielen Gesprächen am Strand auch die abendliche Gruppenarbeit mit den Frauen - insbesondere die Rollenspiele - bei.
Am 11. Tag war ich wieder mit am Strand und beschäftigte mich einen guten Teil des Tages mit den beiden Jungen und ihrer Mutter. Wir suchten gemeinsam Steine und Muscheln. Die Jungen fingen einen grossen Krebs und einen kleinen Fisch und setzten sie in ein Eimerchen, mit dem Vorsatz, die beiden am Ende des Tages wieder in die Freiheit zu entlassen. Sie suchten Futter für sie. Wir sprachen über die Tiere, wie sie lebten und was sie brauchten. Ich erklärte ihnen, dass sie spätestens alle halbe Stunde das Wasser wechseln müssten, damit der kleine Fisch genug Sauerstoff hätte. Einige Zeit später, hörten wir Stipe laut weinen und nach seiner Mutter rufen. Als Diana und ich zum Strand kamen, berichtete der Junge schluchzend, dass der kleine Fisch tot war. Stipe war ganz verzweifelt und machte sich grosse Vorwürfe, weil er vergessen hatte, das Wasser zu wechseln. Neu war jedoch, dass er seinen Gefühlen Ausdruck geben konnte und sie nicht in Aggression gegen andere - insbesondere seine Mutter - verwandeln musste. Wir trösteten ihn. Ich schlug ihm vor, gemeinsam mit der Mutter den Krebs freizulassen, damit der in Sicherheit sei. Und die beiden brachten den Krebs zu den Steinen, bei denen Stipe ihn gefangen hatte. Stipe war noch immer untröstlich, weinte und fühlte sich unendlich schuldig. Ich erklärte ihm, dass wir nun mal Menschen sind und Fehler machen. Aber, wenn es uns ernsthaft leid tut, dann werden uns diese Fehler auch vergeben. Wir baten das Fischlein um Vergebung. Dann betrauerten wir es gemeinsam. Ich schlug vor, dass wir es begraben könnten und ein kleines Ritual machen, indem wir schöne Steine sammelten und sie symbolisch für unsere Wünsche für das Fischlein "im Fischparadies" auf sein Grab legen könnten. Stipe nahm das gerne an und so begruben wir zu dritt (gemeinsam mit Diana) das Fischlein und machten das Ritual. Danach beruhigte sich Stipe allmählich, aber er versicherte, dass er nie wieder Fische fangen würde. Und daran hielt er sich bis zum Ende des Aufenthalts im SEKA-Haus.
Am folgenden Abend kam ich ins Kinderhaus, wo die Kinder gerade mit Wasserfarben malten. Ich bewunderte die Bilder und setzte mich schliesslich neben Stipe, der ein riesiges pechschwarzes Schiff gemalt hatte. Ich sprach mit ihm über das Schiff - es würde ja sehr gefährlich aussehen. Ja, es sei ein Kriegsschiff, erzählte er mir und zeigte mir die Kanonen. Ich bemerkte, dass allerdings gar keine Soldaten auf dem Schiff zu sehen sind. Stipe erklärte mir, dass sie weggegangen sind, sie haben das Schiff verlassen, jetzt ist es nicht mehr so gefährlich. Ich fragte ihn , ob es denn jetzt möglich wäre, das Schiff z.B. in eine Fähre umzubauen. Stipe schaute mich an und meinte dann, ja, das wäre vielleicht möglich.
Dann legte er das Bild zur Seite, nahm ein anderes Blatt Papier und begann mit grosser Sorgfalt und Hingabe ein riesiges rotes Herz zu zeichnen. Ich bewunderte das Herz, wie schön und gross es sei, als ob es voller Liebe sei. Das bestätigte er mir sehr ernsthaft. Ich fragte ihn dann, ob es sein Herz sei und er nickte. Dann fragte er mich, ob ich dieses Bild in meinem Büro aufhängen würde (er hatte gesehen, dass ich dort viele Kinderzeichnungen an der Wand hängen habe). Ich sagte ihm, dass ich das sehr gerne aufhängen würde, wenn er mir das Bild schenken würde. Ja, sagte er, er wolle mir das schenken. Dann malte er noch das Meer und Sonnenstrahlen um das Herz und klebte eine schöne Muschel in die Mitte, die er ebenfalls mit Hingabe verzierte. Schliesslich schenkte er mir das Bild. Zufrieden und mit strahlenden Augen ging er dann zu Bett.
Am nächsten Tag hängte ich das Bild in mein Büro und an den folgenden Tagen kam Stipe mehrmals nachschauen, wo sein Bild hing, und ging dann wieder zufrieden davon.

Einzelarbeit mit Mutter und Sohn
Am letzten Tag fand schliesslich das geplante gemeinsame Gespräch von Diana, Stipe und mir statt. Stipe fiel es zu Anfang schwer, ruhig zu sitzen und uns anzuschauen, die Themen waren ihm peinlich. Ich erinnerte an einige der Vorfälle am Strand und fragte die beiden, ob sie eine Idee hätten, wie sie in solchen Situationen in Zukunft reagieren könnten, damit sie alle beide zufriedener seien. Schliesslich akzeptierte Stipe den Vorschlag seiner Mutter, dass beide in Ruhe sagen würden, was sie störte oder was sie anders wünschten.
Ich suchte dann ein Symbol (eine "Rockerpuppe" in Lederkluft) für den "bösen Geist", der in solchen Situationen oft dazwischenfunkte und Stipe anstachelte, aggressiv zu sein, nicht zuzuhören und andere zu verletzen. Ich liess diesen "Geist" Diana und Stipe provozieren: "Ha, das werdet ihr doch nicht schaffen, ha,ha,ha, ich werde verhindern, dass ihr Euch gut versteht, Stipe, sei böse, hör nicht, lass Dir nichts sagen, hau die anderen, verletze sie, sei aggressiv ... ha, ha, ha, wenn die Leute sich streiten und sich verletzen, werde ich gross und mächtig. Ich lebe von dem Streit der anderen ..."
Stipe war zuerst verdutzt, dann beobachtete er die Puppe interessiert und schliesslich wurde er wütend auf sie und wehrte sich. Er schlug den Geist, sagte ihm, dass er still sein sollte, schliesslich drückte er ihn auf den Boden und hielt ihn fest.
Als er ihn losliess, fing der "Geist" wieder von vorn an, aber diesmal verspottete er Diana, sie sei ja nur schwach, sie könne sich ja nicht durchsetzen. Die beiden würden sich nie gegen den "Geist" wehren können... Als Therapeutin schlug ich Stipe und Diana vor, dass es vielleicht helfen würde, wenn sie sich leise gemeinsam besprächen, wie sie mit dem Geist fertig werden könnten. Die beiden flüsterten miteinander und stürzten sich dann gemeinsam auf den "Geist", der sich zuerst wehrte, aber dann keine Chance mehr hatte und aufgab. Stipe war hoch zufrieden. Der "Geist" wurde unter ein Kissen gestopft und mit einem grossen Holzscheit beschwert.
Wir überlegten dann gemeinsam, was die beiden machen könnten, wenn der "Geist" sich in Zukunft wieder melden und versuchen würde, Stipe anzustacheln und Streit zu säen.
Ich schlug vor, dass wir das ausprobieren könnten in einem Rollenspiel.
In der ersten Version wollte Stipe zuschauen, also spielte ich "Stipe" und Diana die "Mama". "Stipe" wünschte sich einen Computer, die "Mama" hatte aber kein Geld, da kam der "Geist" und schubste "Stipe", stachelte ihn an, aggressiv zu werden, die "Mama" zu schlagen und zu bedrohen. Aber - laut unserer Absprache - fragte die "Mama" "Stipe", ob der "böse Geist" ihn antreibe. "Stipe" merkte in diesem Moment, dass der "Geist" ihn drückte und beide befreiten gemeinsam "Stipe" von dem "Geist", der wieder verbannt wurde.
Daraufhin wollte Stipe dieselbe Szene nochmal spielen, indem er selbst seine Rolle übernahm. Ich liess den "bösen Geist" agieren und erfolgreich wurde der "Geist" von Mutter und Sohn bekämpft und unschädlich gemacht. Dies hielten wir zur Erinnerung noch mit dem Fotoapparat fest. Dann lud ich Stipe und Diana ein, sich jede/r aus den Halbedelsteinen ein Symbol für ihre Kraft und ihre Fähigkeit auszusuchen, in Zukunft in Ruhe miteinander sprechen zu können und gemeinsam eine Lösung für Probleme zu finden. Dies taten beide mit Konzentration aber auch Vergnügen.
Schliesslich schlug ich Stipe vor, unter den Symbolen eines für den "bösen Geist" auszusuchen, da ich das "Rockersymbol" in meiner Arbeit mit anderen Kindern noch brauchte. Stipe suchte sich einen Drachen als Symbol für den "Geist", um etwas Konkretes zu haben, das er gemeinsam mit seiner Mutter - wenn es wieder nötig sein sollte - besiegen konnte.
Wir besprachen, dass er das Symbol solange behalten würde, solange er noch diese Wutanfälle hatte. Wenn er es nicht mehr bräuchte, könne er es an uns zurückschicken. (....)
Beim Abschied war Stipe traurig und konnte das auch zeigen. Er umarmte mich und fragte, ob Mama und er mich mal anrufen könnten, oder ob unsere Telefonnummer geheim sei (so wie im Frauenhaus). Ich versicherte ihm, dass sie mich gerne anrufen könnten, das hatte ich schon zuvor Diana versichert. Mit ihr hatte ich auch besprochen, dass sie den TherapeutInnen, zu denen die Kinder nun in Zagreb gehen würden, über unsere Arbeit mit dem "Geist" berichten würde, um eine Kontinuität in der therapeutisch-pädagogischen Arbeit zu sichern.
Als ich die Gruppe zur Fähre brachte, winkte mir Stipe noch lange zu.
Diese Arbeit mit Stipe und seiner Mutter hat mich sehr berührt und gibt mir ein Gefühl der Dankbarkeit, wenn ich an die erste Begegnung mit diesem Kind denke und dann an den Abschied.