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SEKA-Journal Nr. 10 - Juni 2002
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Als der Krieg im ehemaligen Jugoslawien begann, hatte Mirjana Bilan schon fast 30 Jahre in Deutschland, davon über 20 Jahre in Hamburg, gelebt. Sie konnte es kaum glauben, daß in ihrem Land nun ein furchtbarer Krieg tobte, zuerst in Kroatien, dann in Bosnien-Herzegowina. Die Berichte über Grausamkeiten, Vergewaltigungen und Vertreibungen liessen ihr keine Ruhe. Mit anderen Frauen gemeinsam engagierte sie sich in Hamburg, zuerst mit Demonstrationen, dann mit dem Sammeln von Spenden und Hilfsgütern, um sie mit Konvois in die Flüchtlingscamps nach Kroatien zu bringen. Über dieses Engagement lernte sie Gabriele Müller kennen, die - seit Jahren in der Frauenhausarbeit tätig - im Dezember 1992 von einem Seminar mit Frauenhaus-Aktivistinnen aus Zagreb zurückkam. Auch sie hatte das dringende Bedürfnis, die Frauen vor Ort (in Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien und Slowenien) zu unterstützen, die sich - meist von allen Seiten angefeindet - gegen Nationalismus, Krieg und Gewalt einsetzten und Hilfsprojekte aufbauten für Frauen und Kinder, die durch Krieg und Vertreibung traumatisiert waren.
Aus der ersten Aktionsgruppe Hamburger Frauen entstand der Hamburg Verein "Sukaina - Unterstützung für Frauen in Krisengebieten". Die Sukaina-Frauen informierten durch Veranstaltungen und die Herausgabe einer Infobroschüre über die politische und gesellschaftliche Situation und das Engagement von Frauen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Serbien. Sie sammelten Spenden für die anti-nationalistischen Frauenprojekte vor Ort.
Gabriele Müller unterstützte die neu gegründeten Projekte außerdem durch Fortbildungsseminare für Mitarbeiterinnen in Kroatien und Bosnien-Herzegowina, um sie in ihrer Arbeit mit Frauen und Kindern, die Gewalt überlebt hatten, zu unterstützen.
Während zweier Psychodrama-Fortbildungsseminare im Herbst 1994 und im Frühjahr 1995, die sie mit Mitarbeiterinnen des Frauentherapiezentrums Medica und Frauen aus anderen Einrichtungen in Zenica (Zentralbosnien) durchführte, wurde ihr deutlich, daß die Frauen zwar auch Fortbildungen benötigten, aber noch viel dringender brauchten sie selbst Entlastung und psychologische Unterstützung. Die Mitarbeiterinnen im Kriegsgebiet arbeiteten unter schwierigsten Bedingungen mit schwer traumatisierten Frauen und Kindern, in einer Situation, wo es noch immer völlig unklar war, ob und wann dieser Krieg ein Ende nehmen würde und ob sie dieses Ende überleben würden. Alle diese Helferinnen waren in höchstem Maße ausgebrannt. Für ihre eigenen Traumata, Gefühle und Probleme war keine Zeit und kein Platz.
Gabis Angebote für längere Zeit nach Bosnien zu kommen, um gezielt die Frauen des Medica-Teams mit Einzel- und Gruppenarbeit, Supervision und Fortbildung zu unterstützen, nahm das Medica-Team gern an.
So kam es, daß sie im Herbst 1995 und im Frühjahr 1996 für drei bzw. für zwei Monate nach Zenica kam, um den Medica-Mitarbeiterinnen psychologische und fachliche Unterstützung anzubieten.
Erst in der konkreten Arbeit begannen die Mitarbeiterinnen zu spüren, wie sehr sie diese Art der Entlastung nötig hatten. Ein wichtiges Thema der Einzel- und Gruppenarbeit war - neben traumatischen Erfahrungen, Problemen des Kriegsalltags, Konflikten und beruflichen Themen - die Ressourcen und Kraftquellen, die den Frauen halfen, sich unter diesen Umständen für andere zu engagieren. Gabi erinnert sich: "Da wir überwiegend mit der Methode Psychodrama arbeiteten, sehe ich noch immer die Bilder und Szenen vor mir, in denen die Frauen ihre "Ressourcen" darstellten, "das, was ihnen Kraft gab": Es waren überwiegend die Erinnerungen an vergangene schöne Erfahrungen: im Urlaub, in der unbeschwerten Gemeinschaft mit nahestehenden Menschen, in der Natur. Und immer wieder war da das Meer, an dem sie alle immer wieder Urlaube verbracht hatten und das nun so unerreichbar war - wie zu einer anderen Welt gehörig.
Diese Bilder aus der Vergangenheit drückten für sie gleichzeitig ihre Hoffnung aus: daß sie solche glücklichen Momente wieder erleben könnten. Das wünschten sie sich und dieser Wunsch und die Erinnerung gab ihnen die Kraft weiterzumachen."
Gabi kehrte nach dem ersten dreimonatigen Aufenthalt in Zenica mit vielerlei intensiven Eindrücken nach Hamburg zurück - aber auch mit einem Bild oder besser einer "Vision". Sie stellte sich einen Ort vor - außerhalb des Kriegsgebiets - irgendwo am Meer, am besten auf einer Insel, - einen Ort, an dem Frauen und Kinder, die die Schrecken dieses Krieges überlebt hatten, sich erholen, neue Kraft schöpfen könnten. Ein Ort, an dem sie sich sicher und willkommen fühlen würden. Ein Ort der Schönheit, der Heilung, aber auch der Begegnung - nicht nur für Frauen und Kinder, sondern auch für die Mitarbeiterinnen aus all den Organisationen und Frauenprojekten, die während des Krieges entstanden waren. Für die Mitarbeiterinnen, die sich unermüdlich für andere einsetzten und ihre eigenen traumatischen Erlebnisse, ihre Gefühle und Probleme zur Seite packten, weil sie es nicht anders gewohnt waren.
Gabi stellte sich ein großes, schönes Haus vor, in das Frauen und Kinder zur Erholung kommen würden und in dem therapeutische Angebote und Fortbildungsseminare für die Mitarbeiterinnen stattfinden könnten.
Mirjana Bilan, der sie diese Idee zuerst erzählte, war davon begeistert.
Aus der Idee entwickelten wir (Mirjana und Gabi) in vielen Gesprächen dann ein Konzept für ein "Erholungs- und Seminarhaus", wie wir es zuerst nannten. Mirjana hatte die Idee für den Namen: "SEKA" abgeleitet von SEminarna KucA (= Seminarhaus), aber auch von "seka", dem serbokroatischen Wort für "geliebte Schwester / Freundin". Dieser Name sollte für die Frauensolidarität stehen, die wir - über die (neu-gezogenen) Grenzen hinweg - mit SEKA realisieren wollten.
Im April 1996 - kurz bevor Gabi wieder nach Bosnien aufbrach - gründeten wir - gemeinsam mit einigen der Sukaina-Frauen und mit Freundinnen - den Hamburger Unterstützungsverein "SEKA Hamburg e.V." als erste Voraussetzung für die Realisierung des Projekts.
Das Konzept schickten wir an unsere Freundinnen und Kolleginnen in den Projekten vor Ort und baten sie um ihre Rückmeldungen.
Alle waren von der Idee begeistert, stellten aber gleichzeitig die Frage, wie ein so umfangreiches Projekt finanziert werden könnte; denn nach Dayton ließ das öffentliche Interesse und damit auch die finanzielle Unterstützung für Projekte im ehemaligen Jugoslawien rapide nach.
Deutsche Freundinnen und Freunde ermutigten uns dagegen, meinten, wir müßten "nur eine gute Medienkampagne aufziehen".
Im Juli 1996 fanden wir dann im Dorf Splitska auf der Insel Brac (nahe Split) das ideale Projekthaus - oder "das Haus fand uns":
Eigentlich hatten wir nur beabsichtigt, etwas Urlaub auf Brac zu machen (Gabi nach ihrem zweiten intensiven Arbeitsaufenthalt in Zenica, Mirjana nach einem anstrengenden Jahr als Lehrerin für Anästhesie und Intensivpflege in Hamburg.) Nebenbei wollten wir uns umschauen, ob es auf der Insel evtl. für unser Projekt in Frage kommende Häuser gab - und was die kosten würden. Der Verein SEKA Hamburg hatte zu dieser Zeit noch keinerlei Finanzmittel.
Zufällig hörten wir von einem Haus, das "oben auf dem Berg" zu verkaufen sei. Wir schauten es uns an - und wir wußten: "das ist es". Die Räumlichkeiten waren in vieler Hinsicht geradezu ideal für das Projekt: unten eine große Küche mit Eßraum, 6 Zimmer, 3 Bäder, zusätzlich ein 2-Zimmer-Appartement in dem zweiten kleineren Haus... Wir rechneten und vermaßen im Geiste schon die Zimmer: Es würde Platz für ca. 20 Betten sein. So etwa hatten wir uns das vorgestellt.
Nur: Der Eigentümer, ein Mazedonier, der in Schweden lebte und nur den Sommer auf Brac verbrachte, wollte am liebsten sofort verkaufen, für 350.000,- DM: das Haus auf einem Grundstück von ca 950 qm, incl. der gesamten Einrichtung - bis hin zum Geschirr und Besteck.
Wir kamen uns vor wie Hochstaplerinnen, hatten einige schlaflose Nächte und Mirjana einen Migräneanfall. Aber einige Tage später hatten wir mit dem Eigentümer einen Vertrag geschlossen, in dem wir vereinbarten, daß wir 3 Wochen später eine Anzahlung von 10% = 35.000,- DM leisten würden!!! Die restliche Summe von 315.000,- DM würde er dann bis Ende März 1997 bekommen. Wenn wir die Summe jedoch nicht bezahlen könnten, würden wir auch die Anzahlung verlieren!
Wenn wir heute daran zurückdenken, wissen wir nicht mehr, woher wir diese Tollkühnheit genommen haben. Ohne einen Pfennig in der Tasche einen solchen Vertrag abzuschliessen und darauf zu vertrauen, daß wir das Geld für den Hauskauf und auch weiteres Geld für die Realisierung des Projekts sammeln könnten, war schon ziemlich verrückt. Unsere Antriebskraft war unsere Überzeugung, daß SEKA ein gutes, wichtiges und vor allem dringend notwendiges Projekt sein würde. Wir waren bereit, unsere sichere Existenz in Deutschland aufzugeben, um ein Stück Utopie zu realisieren - gerade hier in dieser Region, die so verwüstet und verletzt war und die eine Utopie so dringend brauchte. Allein der Gedanke an dieses Projekt verlieh uns unglaubliche Energien.
Auf unserer Rückreise nach Deutschland machten wir in Zagreb Station, besprachen unsere Pläne mit den Freundinnen und Kolleginnen aus den Projekten dort. Nach einer hitzigen Diskussion beschlossen wir, dieses Projekt gemeinsam zu tragen und dazu eine Trägerorganisation zu gründen, die "Koordinacija zenskih grupa SEKA" ("Koordination der Frauengruppen SEKA"). Wir waren alle gleichzeitig begeistert von der Idee und der Schönheit des Hauses und andererseits packten uns Angst und Zweifel, ob dieses Projekt wirklich zu realisieren wäre.
Es war klar, daß die Zagreber Projekte und die Spliter Gruppe keine Kapazitäten hatten, sich um die Finanzen für den Hauskauf zu kümmern. Dies würde also alleine unsere Aufgabe sein. Nun, davon waren wir ja auch bisher ausgegangen.
In Deutschland gelang es uns dann tatsächlich, innerhalb von 12 Tagen Freundinnen und Bekannte zu überzeugen, uns für die Anzahlung Geld zu leihen. Einen Teil des Geldes bekamen wir gespendet. Auch Medica mondiale in Köln unterstützte uns mit 5.000,- DM. So hatten wir die erste Hürde, die Anzahlung, geschafft.

Vorstandsfrauen des kroatischen Trägervereins:
"Koordinacija zenskih grupa SEKA
Das nächste halbe Jahr war für uns eine Zeit extremen Stresses: Mirjana arbeitete noch immer in der Krankenpflegeschule, abends und am Wochenende engagierte sie sich für SEKA. Gabi beschäftigte sich von frühmorgens bis spät in die Nacht mit nichts als "Fundraising" (Anträge an Stiftungen, Organisationen und die EU zu stellen, Briefe an Firmen zu schreiben) und Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt. Die gemeinsame Wohnung wurde zum SEKA-Büro. Materialien wurden erstmal von unserem eigenen Geld bezahlt. Lange Zeit sah es so aus, als ob das Projekt scheitern müßte. Die Presse interessierte sich nicht im geringsten für dieses "neue Hilfsprojekt", das wir in einer Zeit aufbauen wollten, als sich das öffentliche Interesse mehr und mehr vom "Balkan" abzuwenden begann. Sämtliche Ratschläge befreundeter JournalistInnen, "durch eine Kampagne rasch eine große Menge Geld zu sammeln", scheiterten. Von Firmen und Prominenten erhielten wir nur Absagen, einzig unsere Freundinnen unterstützten die Projektidee mit Spenden und Ermutigung.
Schließlich, im Dezember 1996, als wir fast schon aufgeben wollten, kam uns eine Idee: Wenn wir weder über eine Pressekampagne noch über Firmen oder prominente UnterstützerInnen eine große Summe Geld erhalten konnten, dann mußten wir eben versuchen, von vielen Menschen kleine Beträge zu sammeln. Noch im Dezember starteten wir also unsere "Schneeballaktion", in der wir unsere FreundInnen, Bekannten, KollegInnen in ganz Deutschland anschrieben und sie baten, bei dieser Aktion mitzumachen (20,- DM oder vielleicht auch mehr für SEKA zu spenden und den Aktionsbrief zu kopieren und weiter zu verteilen). Diese Aktion, die sich in Windeseile über verschiedene Frauen- und Friedens-, Öko- und "Eine-Welt"-Netzwerke verbreitete, wurde ein Erfolg: Innerhalb von 5 Monaten sammelten wir ca. 60.000,- DM in Beträgen von 5,- bis 1.000,- DM.
Parallel dazu hatten wir Kontakt zur Ökobank in Frankfurt aufgenommen, die uns schließlich einen Frauen-Förderkredit in Höhe von 290.000,- DM auf eine Laufzeit von 10 Jahren bewilligte. Allerdings mußte das Darlehen durch private Bürgschaften abgesichert werden, da der Grundbesitz in Kroatien nicht als Sicherheit anerkannt wurde. In einem Wettlauf mit der Zeit gelang es uns schließlich, gerade noch rechtzeitig 10 Bürginnen zu finden, die mit Beträgen zwischen 5.000,- und 100.000,- DM den Kredit für das Projekthaus auf zehn Jahre absicherten. Damit fiel uns ein Stein vom Herzen. Es gab nun kein Zurück mehr: Mirjana hatte ihre Stelle und wir beide unsere Wohnung gekündigt.
Und dann schien im letzten Moment doch noch alles zu scheitern: Der Haus-Verkäufer hatte wohl einen anderen Käufer gefunden, der mehr für das Haus bezahlen wollte, und versuchte, den fristgerechten Geldtransfer zu verhindern, indem er sich weigerte, uns ein Bank-Konto anzugeben. Ohne ein Bank-Konto des Empfängers wollte die Ökobank aber den Kredit nicht auszahlen. Schließlich, in letzter Sekunde, als unsere Nerven schon blank lagen, ging die Geldübergabe dann in Split über die Bühne und das Haus war für SEKA gerettet! Leider stellte sich bei der Haus-Übergabe später heraus, daß der Vorbesitzer uns doch noch übers Ohr gehauen hatte: Mehr als die Hälfte der Möbel sowie die gesamte Ausstattung fehlten.
Durch die Hilfsbereitschaft vieler Hamburgerinnen und Hamburger konnten wir die fehlenden Möbel und die notwendige Ausstattung für das Projekthaus schließlich doch noch rechtzeitig in einer Spenden-Aktion sammeln und nach Brac transportieren. Bei der Veröffentlichung des Spendenaufrufs hatte uns die Tatsache geholfen, daß die Hamburger Bischöfin Maria Jepsen sich entschieden hatte, die Schirmherrinschaft für SEKA zu übernehmen.
Nach einigen Umbau- und Renovierungsarbeiten wurde SEKA schließlich am 28. Juni 1997 feierlich eröffnet.
Im ersten Sommer gelang es uns, trotz großer finanzieller Probleme (wir hangelten uns sozusagen finanziell von Monat zu Monat), 5 Gruppen mit je 20 Frauen und Kindern für jeweils 12 Tage ins SEKA-Haus einzuladen. Glücklicherweise hatten wir mit Marija Mišetic eine wundervolle Köchin und mit Fani Mišetic eine großartige Hauswirtschafterin gefunden, die mit ihrer warmherzigen und fröhlichen Art sofort die Herzen der Frauen und Kinder gewannen. Die beiden liessen sich mit uns gemeinsam auf ein Wagnis ein: Von Anfang an wußten sie, daß wir ihnen im Hinblick auf Arbeitsplatzsicherheit rein gar nichts versprechen konnten.
Die Frauen und Kinder dieses Sommers waren fast alle Überlebende von Srebrenica. Das Trauma ihrer brutalen Vertreibung war genau zwei Jahre her. Fast keine der Frauen wußte zu dieser Zeit, ob ihr "verschwundener" Ehemann, ihre Brüder, der Vater oder sonstige Verwandte, tot waren oder noch irgendwo in Gefangenschaft. Trotz der oft sehr schweren Themen konnten die Frauen und Kin-der sich mehr und mehr entspannen im SEKA-Haus. Und ihre Freude, ihr Lachen und die übermütigen Momente, wo sie trotz allem einfach den Augenblick genießen konnten, waren für uns die schönste Belohnung für all den Stress, die Sorgen, für den Sprung ins Ungewisse (monatelang konnten wir in Splitska keine Wohnung für uns selbst finden und dann nur ein geplündertes und halb kaputtes Haus, das wir "nebenbei" entrümpeln und sanieren mußten).
Obwohl wir (Mirjana und Gabi) überwiegend alleine für die Frauen und Kinder da waren, mit Arbeitstagen von 8 Uhr bis 24 Uhr, und während der gesamten Zeit nur einen freien Sonntagnachmittag hatten, waren wir in diesem Sommer einfach glücklich: Es erschien uns wie ein Wunder, daß wir dieses Projekt verwirklicht hatten, und die Freude darüber gab uns immer wieder neue Energie.
Im Oktober bekamen wir dann die Zusage der Europäischen Kommission, unser Budget für ein Jahr (aus dem dann 1 ½ Jahre wurden) mit einem 39 %igen Zuschuß zu fördern. Zwar mußte Gabi (die ja leider bis heute alleine für die Finanzen verantwortlich ist), die restlichen 61% noch immer durch andere Geldquellen (Zuschüsse und Fördermittel) abdecken, aber wir konnten erst einmal aufatmen, da sich mit dieser Bewilligung die Finanzlage deutlich entspannte.
Erwähnen möchten wir aber neben unseren vielen privaten UnterstützerInnen auch die Organisationen, die uns im ersten Jahr gefördert haben, obwohl wir ja selbst nicht sagen konnten, ob wir unser Projekt würden realisieren können. Dies sind: die Stiftung Flüchtlingshilfe; Frauen für Frieden, Niederlande; Mama Cash, Niederlande; The Staples Trust, Großbritannien; die Stiftung Fliege; die Senatskanzlei und das Senatsamt zur Gleichstellung in Hamburg; die Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin und ganz besonders Herr Prof. Dr. Jan Philipp Reemtsma. Ihnen allen danken wir dafür, daß sie an SEKAs Erfolg geglaubt haben.
Mit der Bewilligung der EU-Mittel als Basis begann SEKA im Januar 1998 mit der Durchführung eines dichten Programms, das auch in den Folgejahren in ähnlichem Umfang verwirklicht werden konnte:
Es beinhaltet als einen wichtigen Schwerpunkt die psychologisch begleiteten Erholungsaufenthalten für traumatisierte Frauen und Kinder.
Der zweite Schwerpunkt umfaßt Angebote zur Entlastung und fachlichen Unterstützung für die Mitarbeiterinnen / Aktivistinnen aus den Projekten und Organisationen, die mit traumatisierten Frauen und Kindern arbeiteten oder sich für Frauen-/Menschenrechte engagierten. Für diese Kolleginnen bietet SEKA Therapiegruppen, therapeutische Einzelarbeit, sowie fachspezifische Fortbildungsseminare für Therapeutinnen und Pädagoginnen an.
Den dritten Schwerpunkt bilden politische Bildungsseminare für Frauen.
Im Laufe der Jahre entstand durch Nachfrage noch ein weiterer Schwerpunkt der SEKA-Arbeit: Angebote zur Beratung / Therapie und Erholung für Frauen und Kinder aus der näheren Umgebung (von der Insel Brac oder dem nahen Festland).
Unsere kleine Statistik zu fünf Jahren SEKA-Programm finden Sie im nebenstehenden Kasten.
Bei der Realisierung des Programms halfen uns die Verbindungen zu verschiedenen Frauen-Organisationen und Projekten in der Region, die wir bereits während unserer "Sukaina"-Arbeit geknüpft hatten. Von Anfang an versuchten wir, so viele Projekte und Organisationen wie nur möglich an unseren Angeboten teilnehmen zu lassen. Inzwischen arbeitet SEKA mit mehr als 120 Organisationen, Projekten und Einrichtungen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina (Föderation und Republika Srpska), Slowenien und Serbien zusammen. Im Juni kommt zum ersten Mal auch eine kleine Gruppe aus Albanien zu einem Seminar ins SEKA-Haus: das Team von Medica Mondiale Tirana, für das Gabi seit Anfang 2001 Fortbildungen, sowie therapeutische und fachliche Unterstützung anbietet.
Ein wichtiges Anliegen der SEKA Arbeit ist nach wie vor, Frauen und Kinder die durch Krieg, Vertreibung oder auch in der Familie Gewalt erlebt haben, Erholung und psychologische Unterstützung zu bieten, ihnen ein Stück Heilung zu ermöglichen, sie zu stärken und zu ermutigen und sie im SEKA-Haus die Erfahrung von Sicherheit, Wertschätzung, gegenseitigem Respekt und der Möglichkeit konstruktiver und gewaltloser Konfliktlösung machen zu lassen.
Unser zweites wichtiges Anliegen ist die Unterstützung und Stärkung der Mitar-beiterinnen und Aktivistinnen aus den Organisationen, Projekten und Einrichtungen, die mit traumatisierten Frauen und Kindern arbeiten und sich für die Durchsetzung von Frauen-/Menschenrechte engagieren. Durch die Therapiegruppen und Fortbildungen für die Mitarbeiterinnen unterstützt SEKA die Arbeit dieser Organisationen. SEKA wirkt dadurch weit über die direkte Zielgruppe hinaus.
Unser drittes wichtiges Ziel steht in engem Zusammenhang mit den beiden ersten: Wir möchten einen Beitrag leisten zum Aufbau einer friedlichen Gesellschaft, die Konflikte konstruktiv lösen kann (und nicht meint gewaltsam lösen zu müssen), in der Unterschiedlichkeiten nicht nur anerkannt sondern wertgeschätzt werden, bzw. Menschen weder in die Schablonen der Geschlechtsrollen noch in die Schubladen ethnischer, nationaler, religiöser oder sonstiger Zugehörigkeiten gezwungen werden.
Dazu gehört für uns die individuelle und gesellschaftliche Stärkung von Frauen und Kindern, durch die Förderung ihres Selbstbewußtseins, durch Information und Bewußseinsbildung über Frauen- / Menschenrechte, bzw. eines kritischen Umgangs mit Generalisierungen, sei es bezüglich des Geschlechts oder anderer formaler Gruppenzugehörigkeit.
Dies beinhaltet als wesentlichen Punkt: die Förderung der Begegnung und der Verständigung zwischen Frauen und Kindern unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen in einem sicheren Rahmen und einer Atmosphäre der Offenheit, Wärme und Wertschätzung, die die leidvollen und die stärkenden Erfahrungen einer/s jeden anerkennt.
Gleichzeitig setzt sich SEKA als Organisation auch direkt für die Demokratisierung der Gesellschaft und für die Durchsetzung von Frauen-/Menschenrechten ein: Als Teil des Frauen-Netzwerks in Kroatien nehmen wir zu gesellschaftlichen Themen Stellung, kritisieren Mißstände und fordern die Durchsetzung demokratischer Standards.
Unser kleines Kernteam, das seit der Eröffnung das Projekt maßgeblich trägt und auch in schweren Zeiten aufrechterhalten hat, besteht aus vier Frauen:
| Mirjana Bilan als Koordinatorin, verantwortlich für die Repräsentation des Projekts in Kroatien, für die Logistik und die Organisation des Hauses und für die Verwaltung der Finanzen in Kroatien. Mirjana leistet außerdem als Krankenschwester Hilfe bei eventuellen Erkrankungen oder Verletzungen. |
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| Gabriele Müller hat die fachliche Projektleitung inne; organisiert das SEKA-Programm, leitet selbst Fortbildungsseminare, arbeitet therapeutisch mit Gruppen und einzelnen Frauen oder Kindern; ist bisher zuständig für Fundraising, Abrechnungen und Berichte bzgl. Deutschland und international, für internationale Korrespondenz und Öffentlichkeitsarbeit. |
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| Marija Mišetic (aus Splitska) ist unsere Köchin, die immer wieder beweist, welch therapeutische Wirkung ein liebevoll zubereitetes Essen hat, und deren warmherzige, humorvolle und gleichzeitig wertschätzende Art ihr den Zugang zu den Frauen und Kindern leicht macht. |
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| Fani Mišetic (aus Splitska) ist Hauswirtschafterin im SEKA-Haus und immer bereit, überall einzuspringen und zu helfen, wo es nötig ist. Mit ihrer Fröhlichkeit und ihrem Humor bringt sie Schwung in unseren Alltag. |
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| Goga Ivancevic, aus Split, arbeitete bei uns von Frühjahr 1998 bis Frühjahr 2001. Sie unterstützte Mirjana bei der Logistik, mit dem Fahren des Kleinbusses, bei Arbeiten in Haus und Garten, sowie Fani beim Hausputz und half im Sommer bei der Betreuung der Kinder. |
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| Ellen Sunde, in England lebende Norwegerin, kam 1998, um unser Projekt kennenzulernen, und blieb dann für fast 10 Monate als Volontärin bei uns. Sie half mit der internationalen Korrespondenz, beim Fundraising, aber auch mit Fahren, Einkaufen, Gartenarbeit und - obwohl sie die Sprache nicht sprach - fand sie ihren eigenen Zugang zu den Kindern im SEKA-Haus. Im Sommer 1999 kam sie noch einmal für 2 Monate, um uns zu helfen. |
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| Zeljana Buntic-Pejakovic lernte SEKA als Teilnehmerin an einer der Therapiegruppen kennen. Sie arbeitete dann während des gesamten Sommers 2000 als Honorar-Psychologin bei uns. Durch die großzügige Spende unserer Förderin Ute Pfeifer war es uns schließlich möglich, Zeljana im Januar 2001 als feste Mitarbeiterin für die Bereiche Programmorganisation, Arbeit mit Frauen und Kindern, Betreuung der Seminare und Gruppen einzustellen. Leider verschlechterte sich Zeljanas Gesundheitszustand so sehr, daß sie im Juni mit der Arbeit in SEKA wieder aufhören mußte. |
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| Henni Bartram, Studentin der Kulturwissenschaften, meldete sich über einen Bekannten in Hamburg bei uns. Sie hatte die SEKA-Journale gelesen und wollte während eines Urlaubssemester als Volontärin bei uns aushelfen. Henni war ein Geschenk für uns: Sie half Mirjana mit Fahren, Besorgungen, bei der Gartenarbeit oder Reparaturen. Für Gabi übersetzte sie Berichte und alles, was anfiel ins Englische, half bei der Überarbeitung von Texten und hat an diesem Journal mitgeschrieben. Außerdem lernte Henni in Windesgeschwindigkeit "naški" (die Landessprache). Leider mußte sie uns Anfang April wieder verlassen, da ihr Studium auf sie wartete. |
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| Maren Kutschaelies, Krankenschwester aus Hamburg und langjährige SEKA-Unterstützerin, entschied sich im Frühjahr 2001, für 2 Monate Urlaub zu nehmen und uns tatkräftig als ehrenamtliche Mitarbeiterin zu unterstützen. Sie arbeitete unermüdlich beim Heizungseinbau mit und half beim anschließenden Renovieren der Zimmer, beim Auf- und Umräumen, bei Reparaturarbeiten, beim Einkaufen und der Gartenarbeit. Maren war einfach da, wo sie gebraucht wurde. Ihre Hilfsbereitschaft, gute Laune und die "echt Hamburger Sprüche" halfen uns aus manchem Tief. |
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| Das "Heizungsteam" (Karl Emde, Dieter Munz, Frank Hildebrandt, Ines Kozyrski, Tobias Ziemecker, Bergit Falter und Maren Kutschaelies) baute im Frühjahr 2001 innerhalb von 14 Tagen ein Solarsystem für Heizung und Warmwasserversorgung in die SEKA-Projekthäuser ein. Die VolontärInnen schenkten SEKA 2 Wochen ihres Jahresurlaubs, ihr Fachwissen und einen 14tägigen Arbeitseinsatz von frühmorgens bis spät abends. Karl Emde als verantwortlicher Ingenieur hatte bereits vorher für die genaue Planung wochenlange Arbeit investiert. |
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| Vesna Šobot arbeitet jeweils 2 - 3 Wochen im SEKA-Haus, um anschließend wieder für 2 Wochen zu ihrer Familie nach Banja Luka zu fahren. Vesna hat ebenfalls eine der Therapiegruppen in SEKA durchlaufen und uns im letzten Sommer als Pädagogin in der Arbeit mit den Kindern unterstützt. Sie ist ursprünglich Vorschullehrerin und bringt mit ihrer fröhlichen, liebevollen Art neuen Schwung ins SEKA-Team. Sie hilft mit anscheinend unerschöpflicher Energie Mirjana bei Logistik und Organisation des Hauses und - wenn nötig - Fani beim Putzen. Sie betreut Gruppen und Seminare. Außerdem hat sie begonnen, Spielstunden für Kinder aus unserem Dorf Splitska anzubieten und wird auch während der sommerlichen Erholungsaufenthalte wieder mit den Kindern arbeiten. Und: seit Vesna da ist, hat sich der SEKA-Garten von einem Dschungel in ein blühendes Paradies verwandelt. |
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| Vesna Liermann kam aus dem Zentrum für Frieden Osijek zu uns. Seit Januar unterstützt sie Gabi im Büro, bei der Programm-Organisation und mit Übersetzungen aus dem Deutschen ins Kroatische. Sie kümmert sich, wenn nötig, um die Gruppen und Seminare und springt beim Fahren ein. Außerdem hat Vesna mit offenen Angeboten für die Frauen aus dem Dorf Splitska begonnen. Leider hat sie sich aus persönlichen Gründen entschieden, uns Ende Mai wieder zu verlassen. | ![]() |
Natürlich wäre es unmöglich, ein so dichtes und anspruchsvolles Programm zu verwirklichen ohne die Unterstützung von zusätzlichen Honorar-Mitarbeiterinnen, die als Seminarleiterinnen, Referentinnen und Therapeutinnen im SEKA-Haus mitarbeiten. Hier möchten wir insbesondere unsere Kolleginnen aus dem Psychologischen Team des Frauentherapiezentrums Medica Zenica und der Beratungsstelle Medica Visoko erwähnen, sowie Veronika Stober und Gisela Endel aus Freiburg, mit denen wir in den 5 Jahren sehr eng und gut zusammengearbeitet haben. Wir danken allen Kolleginnen sehr herzlich für die gute Zusammenarbeit und veröffentlichen auf diesen Seiten die Fotos all der Kolleginnen, die maßgeblich zum Erfolg der SEKA-Projektarbeit beigetragen haben.
Eines der größten Probleme für den Verein SEKA Hamburg war am Anfang, daß wir (Mirjana und Gabi) nach Brac gingen, noch bevor es in Hamburg eine funktionierende Gruppe als Vereinsbasis und zur Unterstützung des Projekts gab. Die meisten Frauen, die SEKA Hamburg mitgegründet hatten, waren beruflich sehr eingespannt und hatten kaum Zeit für die Vereinsarbeit. Zu Anfang gab es auch noch keinen Büroraum. Das "SEKA-Büro" kam vorerst in der Privatwohnung einer Freundin unter. Erst im Frühjahr 1998 konnten wir dann einen günstigen kleinen Büroraum im Filmhaus in der Friedensallee anmieten und damit das SEKA-Büro auch öffentlich erreichbar machen.
So war die Kapazität für Unterstützungsaktivitäten in Hamburg lange Zeit äußerst gering. Die Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt leistete überwiegend Gabi, von Brac aus oder während ihrer jeweils mehrwöchigen Hamburg-Aufenthalte.
Immerhin konnten wir Christa Paul (frühere Sukaina-Frau und Vorstandsfrau von SEKA-Hamburg) als Honorarmitarbeiterin gewinnen. Einmal wöchentlich kümmert sie sich um die Büroarbeiten in Hamburg und sorgt für die regelmäßige Kommunikation mit dem Projekt auf Brac. Ebenfalls stundenweise kümmerte sich zuerst Tinka Kratina um die SEKA Hamburg-Datenbank, sowie Spendenbescheinigungen und Dankesbriefe. Inzwischen hat Angelika Huntgeburth diese Aufgabe übernommen. Bergit Falter kümmert sich seit Jahren ehrenamtlich um die Buchhaltung von SEKA-Hamburg und hat außerdem auf Brac beim Einbau der Solarheizung im Frühjahr 2001 mitgeholfen. SEKA-Unterstützerin Astrid van Dühren gestaltet und betreut seit Sommer 2000 ehrenamtlich die SEKA-Website, die hilft, SEKA auch übers Internet bekannt zu machen.
![]() Christa Paul |
![]() Angelika Huntgeburth |
![]() Bergit Falter |
![]() Astrid van Dühren |
| Im Frühjahr 2000 wurde schließlich in Hamburg ein SEKA-Unterstützerinnen-Stammtisch gegründet, der offen sein sollte für alle interessierten Frauen: zur Planung und Durchführung von Aktivitäten und Veranstaltungen mit dem Ziel, SEKA in Hamburg bekannt zu machen und UnterstützerInnen zu gewinnen. Nach Abschluß des Bildungsurlaubs auf Brac im Mai 2001 (den SEKA in Zusammenarbeit mit Der Neuen -Gesellschaft durchgeführt hatte) entschieden sich viele der Teilnehmerinnen, SEKA weiterhin aktiv zu unterstützen. Sie brachten neuen Schwung und viele Ideen in die Arbeit des SEKA-Stammtischs ein, veranstalteten Vorträge, organisierten Solidaritätsfeste, Flohmärkte, Pressegespräche und andere Aktivitäten, um SEKA bekannt zu machen und Spenden einzuwerben. Dies bedeutet für uns im Projekt eine wichtige Unterstützung und Erleichterung hinsichtlich der Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland. |
![]() SEKA-Vereins- und "Stammtisch"-Frauen in Hamburg |
Die SEKA-Arbeit finanziell abzusichern gehörte jedes Jahr von neuem zu unseren schwierigsten Aufgaben. Überwiegend war Gabi damit bisher alleine beschäftigt.
Trotz des allgemein nachlassenden Interesses an den Problemen der vom Krieg betroffenen Gebiete Südost-Europas - sowohl in der Öffentlichkeit als auch von Seiten geldgebender Institutionen und Organisationen, gelang es ihr bisher jedes Mal, die Finanzen für den größten Teil des jeweils geplanten Programms "einzusammeln". Aber es wird immer schwieriger.
Neben der finanziellen Förderung durch die Europäische Kommission, die im Frühjahr 1999 endete, bildete die Zuwendung der Behörde für Arbeit, Gesundheit und Soziales der Stadt Hamburg in den Jahren 1999, 2000 und 2001 einen zweiten wichtigen Pfeiler für die Finanzierung des SEKA-Programms. Daneben konnten wir von einer Vielzahl von deutschen und auch einigen englischen und niederländischen Stiftungen und Organisationen Zuschüsse für bestimmte Programmpunkte bekommen. (Die Namen dieser Stiftungen und Organisationen oder auch Firmen finden Sie auf den Seiten 17 - 19.)
Besonders wichtig waren für SEKA jedoch von Anfang an die privaten Spenden und Förderbeiträge der UnterstützerInnen und FörderInnen. In Zukunft wird diese Art der Unterstützung noch wichtiger werden, da viele Stiftungen und Organisationen dasselbe Projekt nur einmal oder höchstens zweimal fördern, sich die internationalen Organisationen mehr und mehr aus der "Balkanregion" zurückziehen und / oder weder therapeutische Programme, noch entsprechende Fortbildungen mehr fördern wollen. Die Europäische Kommission geht immer mehr dazu über, nur einige wenige große Organisationen mit großen Beträgen zu fördern anstatt vieler kleinerer Projekte mit kleineren und mittleren Zuschüssen.
Für das Jahr 2002 ist unsere Situation noch immer nicht ganz gesichert. Immerhin hat sich vor einigen Tagen die Hamburger "Behörde für Soziales und Familie" entschieden, SEKA im Jahr 2002 doch noch ein letztes Mal eingeschränkt zu fördern. 8 Monate lang hatten wir auf diese Entscheidung warten müssen. Ganz sicher wird es aber im Jahr 2003 keine Förderung mehr geben.
Für die Zukunft sind daher die privaten Spenden und Förderbeiträge für SEKA existentiell wichtig. Sie machen uns weniger abhängig von behördlicher bzw. europäischer Verteilungspolitik und könnten SEKAs Existenz grundsätzlich sichern.
Wenn es SEKA langfristig weiter geben soll, dann braucht es allerdings noch viel mehr Freundinnen und Freunde, die bewußt die kontinuierliche und nachhaltige Arbeit dieses Projekts unterstützen wollen. Die Zahl unserer Förderfrauen und Förderer, die SEKA regelmäßig unterstützen, liegt im Moment bei 74. Im Jahr 2001 haben die FörderInnen SEKA mit einem Betrag von insgesamt 61.980,- DM = 31.690,- Euro unterstützt. Für die Absicherung der laufenden Projektkosten benötigen wir jedoch jährlich ca. 84.000,- Euro. Viele zusätzliche Förderfrauen und Förderer sind daher auch unser größter Geburtstagswunsch (s. unser "Wunschzettel" auf Seite 35).
Das Schwierigste an unserer Arbeit in den vergangenen fünf Jahren ist neben den ständigen finanziellen Sorgen unsere personelle Unterbesetzung, die dazu führt, daß wir seit fünf Jahren ununterbrochen viel zuviel arbeiten. In der Regel sind wir froh, wenn wir wenigstens einen Tag wöchentlich frei haben. Oft ist auch dies nicht möglich und wir arbeiten dann wochenlang durch. Arbeitstage haben in SEKA in der Regel 10 (selten) - 14 Stunden. Leider ist es - selbst wenn die Personalkosten für eine weitere Stelle gesichert sind - sehr schwierig, eine Kollegin zu finden, die entsprechend qualifiziert ist, die kroatische Staatsbürgerschaft hat, sich mit den Projektzielen identifizieren kann, die belastungsfähig ist und außerdem bereit, ganz nach Brac umzusiedeln. Dazu kommt, daß es außerordentlich schwierig ist, für diese Kollegin auf Brac eine Wohnung zu finden, da die Hausbesitzer auf der Insel Apartments nur an Touristen vermieten wollen - für 40,- bis 50,- Euro pro Tag!!!
Zur Zeit bemühen wir uns wieder einmal intensiv, eine Kollegin für Fundraising, internationale Korrespondenz und Öffentlichkeitsarbeit, Programm-Organisation, sowie die Betreuung von Gruppen und Seminaren zu finden.
Für diese Bereiche wie auch für Fahren und Mithilfe in Haus und Garten suchen wir auch dringend eine Volontärin, die für mindestens ein Jahr, besser für 2 Jahre zu uns kommt, da unsere neue US-amerikanische Volontärin, die im August für zwei Jahre bei uns arbeiten wollte, kurzfristig abgesagt hat.(Anm. Inzwischen ist eine andere Volontärin gefunden worden. September 2002)
Das Schönste an unserer Arbeit sind nach wie vor die zahllosen berührenden Rückmeldungen von Frauen und Kindern wie auch Mitarbeiterinnen, in denen sie auf vielfältige Weise betonen, was ihnen SEKA bedeutet. Es macht uns glücklich die Veränderungen in ihren Gesichtern zu beobachten, zu sehen, wie sie während der Zeit im SEKA-Haus entspannter, freier, selbstbewußter und fröhlicher werden.
Es ist für uns zutiefst befriedigend, in unserer Arbeit das tun zu können, was wir wirklich gut und richtig finden: Daß wir all dem Schrecklichen in dieser Welt (Kriegen und Grausamkeiten, Ungerechtigkeiten und Gewalt ...) ein Stück konkrete Utopie entgegensetzen können.
Es macht uns glücklich, zu sehen, daß sich "der Geist SEKAs" ausbreitet (s. auch die Kommentare der Mitarbeiterinnen im Gespräch. Gabis spezifische Vermittlung der Philosophie und Methode "Psychodrama" z.B. wird inzwischen so vielfältig und kreativ genutzt - von Therapeutinnen, Pädagoginnen und Sozialarbeiterinnen in Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Slowenien und inzwischen auch in Albanien, daß uns das einfach begeistert (s. auch den Bericht von Zilha C.). Es macht uns auch ein wenig stolz, daß ein so kleines Projekt wie SEKA eine so große und anhaltende Wirkung entfalten kann. ...
Wenn wir die Situation von Frauen und Kindern in den Nachkriegsgesellschaften der Länder des ehemaligen Jugoslawien betrachten, wenn wir die noch immer verzweifelte ökonomische Lage insbesondere in den vom Krieg betroffenen Gebieten sehen, wenn wir wissen, wie gering für die meisten Opfer von Gewalt und Krieg noch immer die Angebote psychologischer Hilfe sind, wenn wir die durch nationalistische Propaganda und durch rassistische Verbrechen verursachte gesellschaftliche Spaltung der Gesellschaft sehen, dann sind wir der Meinung: die SEKA-Arbeit ist noch für lange Zeit notwendig. - Insbesondere aber ist der "ORT SEKA" notwendig - als eine Bestätigung und Bestärkung für alle diejenigen, die an die mögliche Verwirklichung einer friedlichen, gerechten und menschlichen Gesellschaft glauben.