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SEKA-Journal Nr. 9 - Dezember 2001 |
"Es ist, als ob wir ein Licht anzünden"Interview mit Gabriele Müller |
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| Das Interview führte Henni Bartram: | Gabriele Müller ist eine der Gründerinnen von SEKA und hat als Diplompädagogin und Psychodramatherapeutin die fachliche Leitung des Projektes inne. Seit Beginn des Projektes vor fünf Jahren hat sie die Erholungsaufenthalte im Sommer maßgeblich gestaltet. |
| Die Organisation der Erholungsaufenthalte stelle ich mir als logistischen Kraftakt vor. Was fällt denn da alles an? | Die Organisationen, mit denen wir zusammenarbeiten, stellen an uns so etwas wie Anträge, in denen sie die Situation vor Ort darstellen, welche Frauen und Kinder sie gerne schicken würden, was die erlebt haben, warum das für sie nötig ist. Wir haben jedes Jahr eine ganze Reihe von Anträgen, wobei wir denen Priorität geben, die noch nicht die Möglichkeit hatten, eine Gruppe zu schicken. Den Termin des Aufenthalts geben wir vor, alle weitere Planung im Vorfeld sprechen die Organisationen zwar mit uns ab, damit haben wir aber eigentlich keine Arbeit mehr. Für Mirjana ist natürlich die Versorgung der Gruppe ein großer Aufwand. Aber da ist sie inzwischen sehr erfahren und hat das in Zusammenarbeit mit Fani und Marija sehr gut organisiert. Es fällt natürlich auch sonst vieles an, die Gruppen müssen zu den Stränden gefahren und abgeholt werden, es muß mal jemand zum Arzt und so weiter. Aber das klappt alles sehr gut. Wir haben ja jetzt schon eine Routine von fünf Sommern. |
| Was würdest Du als die Säulen der Arbeit mit Frauen und Kindern im Sommer bezeichnen? | Eine tragende Säule sind die Tage am Strand und am Meer. Sie ermöglichen uns auf ungezwungene Art einen schnellen intensiven Zugang zu Frauen und Kindern. Die andere Säule ist die liebevolle, fröhliche Atmosphäre im Haus SEKA und daß wir immer präsent und offen sind für die Frauen und Kinder. Das hat mit Wertschätzung zu tun, die sie lange nicht erlebt haben. Als dritte Säule gehört dazu eine ganz reichhaltige und verwöhnende Ernährung. Liebevoll gekochtes Essen ist eine Form von Zuwendung. Wir bezeichen Marija und Fani daher als "unsere therapeutischen Köchinnen". Die vierte Säule sind natürlich die Angebote der therapeutischen Arbeit mit den Frauen und Kindern. |
| Die Frauen und Kinder haben Krieg, Gewalt und Vertreibung erlebt. Bringen sie noch weitere Themen in die Gruppenarbeit mit? | Das ist sehr unterschiedlich. Sie bringen natürlich ihre Erfahrungen mit Gewalt, Krieg, Vertreibung oder jahrelanger Demütigung, Blockade und Hunger mit. Die Themen sind immer noch da. Aber wir haben die Erfahrung gemacht, daß bei Frauen, die schon mal Hilfe hatten oder in ihrem Umfeld darüber reden konnten, diese Themen nicht so rausdrängen. Die Frauen, die dieses Jahr aus dem Frauenhaus Zagreb hierkamen, hatten beispielsweise nicht so das Bedürfnis, mit uns über die Gewalterfahrung zu reden, da sie im Frauenhaus auch Unterstützung haben. Da ging es sehr viel mehr um Fragen bezüglich der Kinder. Zunehmend stehen auch die schwere ökonomische Situation und die geringen Perspektiven im Vordergrund. Dagegen waren bei der Gruppe aus Donji Vakuf die Kriegstraumata noch sehr dicht. Da mußten wir sehr vorsichtig vorgehen, damit wir nicht irgendetwas aufreissen, was wir nicht wieder schliessen oder in der kurzen Zeit nicht abrunden können. |
| Das ist also etwas, was ihr unbedingt vermeiden wollt? | Alles, was an Themen kommt, hat hier Platz. Was wir aber keinesfalls tun, ist die Frauen dazu zu bringen, Traumata zu öffnen oder das, was kommt, noch zu vertiefen und zu verstärken. Bei Traumatisierungen gibt es bestimmte Grundthemen: Eine ganz große Verunsicherung, Mißtrauen, Angst vor Nähe, Angst davor, wieder verletzt zu werden, Angst vor Gefühlen, davor, den Körper wieder zu spüren. Damit müssen wir sehr umsichtig umgehen. Entspannungsübungen verwenden wir sehr sparsam, denn allein körperliche Entspannung kann dazu führen, daß die Frauen wieder von traumatischen Gefühlen überflutet werden. In manchen Übungen ist es besser, die Frauen aufzufordern, an etwas zu denken, nicht etwas zu fühlen. Das ist ein Schutz davor, daß sie durch Techniken, die ihnen ungewohnt sind, retraumatisiert werden. |
| Welche Methoden haben sich denn als geeignet gewiesen? | Wir benutzen u.a. Körperwahrnehmung und Imaginationen sowie Psychodramaelemente. Wir arbeiten sehr viel an Ressourcen, an Stärken, an Stabilisierung. Wir bieten zum Beispiel Selbsterfahrungsspiele an, in denen sie herausfinden, wer in ihrem Umfeld sie unterstützt, und Spiele, durch die der Kontakt in der Gruppe gestärkt wird. Am Anfang erarbeiten wir gemeinsam die Gruppenregeln. Die Frauen müssen wissen, daß sie sich darauf verlassen können, daß nichts nach außen getragen wird und sie nichts sagen müssen, wenn sie nicht wollen. Gerade für Frauen, die erlebt haben, daß massiv über ihre Grenzen gegangen wurde, daß sie ausgeliefert und ohnmächtig waren, ist es ganz wichtig, daß sie hier in der Arbeit immer die Kontrolle über die Situation haben, immer entscheiden können, was sie tun und was sie nicht tun wollen, daß sie im positiven Sinne Macht haben.![]() |
| Zu Zeiten von Krieg, Flucht und Vertreibung waren einige der Kinder noch im Säuglings- oder Kleinkindalter. Ist das aus traumatherapeutischer Sicht ein Vorteil für ein Kind? | Das ist sicherlich kein Vorteil, denn kleine Kinder kriegen ganz viel mit. Sie spüren die Angst der Erwachsenen und nehmen die schrecklichen Geräusche im Krieg wahr, wie Granatierungen und Schreie. Ich kann nicht sagen, welche Spätfolgen solche Kriegserfahrungen im Säuglingsalter noch haben können, wenn die Kinder erwachsen sind. Wie und ob sie das verarbeiten können, hängt mit verschiedenen Dingen zusammen. Wir haben öfter die Erfahrung gemacht, daß kleine Kinder, die im Krieg geboren waren, hier im Haus trotzdem sehr lebensfroh und relativ unbeschwert waren. Bei diesen Kindern bestand aber immer eine ganz stabile Beziehung zu den Müttern und Geschwistern. Wenn die Mütter allerdings selbst stark traumatisiert waren und vom Umfeld her auch wenig Unterstützung hatten, dann waren die Kinder oft auch sehr belastet, sehr ängstlich, sehr verschlossen oder sehr agressiv. |
| "Zeit heilt alle Wunden", sagt das Sprichwort. Ist da etwas Wahres dran? | Bei jemandem, der gute Selbstheilungskräfte hat und auch gute Ressourcen im Umfeld, kann die Zeit auch ohne Therapie wirken. Eine Rolle spielt aber auch, ob jemand von der Persönlichkeit und der eigenen Vergangenheit her bessere oder schlechtere Voraussetzungen mitbringt, um etwas zu verarbeiten. Auch die Schwere des Traumas spielt eine Rolle. Wenn nach der traumatischen Erfahrung ein sicherer Ort gefunden werden kann, zum Beispiel ein stabiles Umfeld besteht oder professionelle Hilfe Entlastung bietet, dann sind die Voraussetzungen zur Verarbeitung des Traumas schon mal besser. Aber Zeit allein heilt keine Wunden, da spielen eine Menge Faktoren eine Rolle. |
| Ist Kuca SEKA denn für einige Frauen der erste sichere Ort der Entlastung, von dem Du gesprochen hast? | Wir haben zunehmend mehr Frauen und Kinder, für die Kuca SEKA wirklich der erste Ort ist, wo ihnen mal jemand zuhört und sie Unterstützung finden. Mittlerweile kommen viele Gruppen aus ländlichen Regionen, wie die Gruppe aus Donji Vakuf, die leider in den ganzen 6 Jahren seit Kriegsende keinerlei Möglichkeit psychologischer Hilfe hatten. Manchmal gibt es ein Stück weit Unterstützung durch die Mitarbeiterinnen der Organisationen. Das Problem ist nur, daß diese Mitarbeiterinnen zum großen Teil selber zu wenig Kenntisse haben, wie sie Traumatisierten helfen können, und dazu selber oft stark traumatisiert sind. Deswegen wollen wir hier in SEKA auch noch mehr fortbilden in diesem Bereich und weiterhin Gruppen zur Entlastung der Mitarbeiterinnen anbieten. ... Außerdem steht psychologische Hilfe grade in ländlicheren Regionen immer noch in dem Ruf, nur "etwas für Verrückte" zu sein. Es ist also noch eine Hemmschwelle da, sowas in Anspruch zu nehmen. Hier in SEKA können sie solche Angebote auch erst annehmen, wenn sie uns kennengelernt haben. Dadurch, daß die Frauen hier merken, daß ihnen das gut tut, fällt es ihnen dann auch später leichter, sich wenn nötig psychologische Unterstützung zu suchen. |
| Was ist Deiner Meinung nach das bedeutsamste am Aufenthalt für die Frauen? | Die meisten von ihnen haben in den letzten Jahren erlebt, daß sie immer "zu den Falschen gehörten". Entweder sie gehörten zur "falschen" Bevölkerungs- oder Religionsgruppe, oder sie waren vielleicht mit dem "falschen" Mann verheiratet. Oder sie gehörten zu denen, die diese nationalistische Hetze nicht mitmachen wollten und so in ihrem eigenen Umfeld zu Fremden wurden. Das Gefühl, daß sie hier einfach "richtig" sind, bedeutet ihnen daher sehr viel. |
| Was löst der Aufenthalt bei den Kindern aus? | Kinder erleben hier oft zum ersten Mal, daß ihnen wirklich jemand zuhört und daß sie ernstgenommen werden. Oftmals haben die Eltern oder die Mütter wenig Kapazität für die Kinder, weil sie mit dem Problem des schlichten Überlebens überanstrengt sind. Dazu kommt, daß es traditionell nicht üblich ist, sich so sehr mit Kindern zu beschäftigen, sondern eher, sie so nebenher aufwachsen zu lassen. Natürlich finden die Kinder das Meer toll und das Kucica mit all dem Spielzeug, aber ich glaube, daß sie hier wichtige Persönlichkeiten sind, genauso wichtig wie die erwachsenen Frauen, das ist eine nachhaltige Erfahrung, das vergessen sie nicht so leicht. ... Bisher haben die Kinder ganz massiv erfahren, daß scheinbar immer der Recht hat, der stärker und agressiver ist. Hier erleben sie, daß man Konflikte auch anders lösen kann. Sie erleben hier ein Stück Utopie, wie Menschen auch miteinander leben können. Das ist, als ob wir ein Licht anzünden. ![]() |
| Wie erlebst Du persönlich die Aufenthalte im Sommer? | Ich geniesse die Zeit mit den Gruppen am Strand und am Meer. Ich bin immer ganz braungebrannt am Ende des Sommers. Natürlich ist es manchmal sehr anstrengend, von morgens bis spät abends total präsent zu sein. Aber es ist eine besondere Art des Zusammenseins und macht auch unglaublich viel Spaß. Bei all den schweren Themen, die wir hier haben, ist es was Leichtes, was Schönes und was ganz Intensives. |
| Gibt es etwas oder jemanden aus den fünf Sommern, der Dir besonders in Erinnerung geblieben ist? | Im ersten Sommer war ein kleines Mädchen in einer Gruppe, die in dieser Hölle der Belagerung von Srebenica geboren ist. Sie hatte aber eine ganz stabile Beziehung zu ihrer Mutter. In der schrecklichen Hungerperiode hatten sie nur weiße Bohnen zu essen. Die Kleine dachte, bis sie etwa drei Jahre alt war, daß "Essen" weiße Bohnen ohne Salz ist, etwas anderes kannte sie nicht. Das zeigte für mich noch einmal sehr plastisch, was es für ein Kind bedeutet, so aufzuwachsen. Und trotz all dem Schrecken, den sie erlebt hat, war sie so ein faszinierendes, lebensfrohes, selbstbewußtes Kind. Das gibt mir immer wieder Mut. In einer Gruppe aus Banja Luka im letzten Jahr waren sehr viele jugendliche Frauen, die mich auch sehr beeindruckt haben. Es war wunderschön zu beobachten, wie sich die Mädchen in der Gruppe öffnen konnten, und diese Lebensfreude und diese Neugier bei ihnen zu erleben. Am Ende haben wir ein Soziodrama gemacht, in dem es um die Frage "warum haben Frauen nicht die gleichen Rechte wie Männer?" ging. Die Mädchen haben das als eine Talkshow im Fernsehen gespielt, und wie sie die Rollen dargestellt haben, war einfach faszinierend. Es war ein richtig feministisches Stück. |
| In diesem Sommer gab es zum ersten Mal zwei Gruppen, die sich aus Frauen und Kindern verschiedener Bevölkerungsgruppen zusammensetzten. Dazu fällt mir das zur Zeit viel beschworene Schlagwort "Versöhnung" ein. Was hältst Du von diesem Schlagwort? | Natürlich ist Versöhnung ein großer Teil dessen, was nötig ist, damit hier langanhaltend Frieden herrschen kann. Wobei Versöhnung meiner Meinung nach nicht heißen kann, daß sich die Opfer mit den Tätern versöhnen sollen. Ich denke, daß die, die Verbrechen begangen haben, gleich auf welcher Ebene, zur Verantwortung gezogen werden sollen. Das halte ich für einen Beitrag zur Versöhnung. Ohne Gerechtigkeit geht es nicht. Es ist auch wichtig für die Opfer, daß sie das Gefühl haben, die Gesellschaft hat sich so entwickelt, daß sie diese Verbrechen auch als Verbrechen bezeichnet und ahndet. Das halte ich für eine ganz wichtige Voraussetzung, damit Opfer ihre Erlebnisse und ihr Leid verarbeiten können. Es gab ja aber auch viele, die nicht völlig fanatisch gewesen sind, sich aber von Propaganda haben beeinflussen lassen und sich vielleicht schämen und schuldig fühlen, daß sie nicht aktiver und mutiger gewesen sind. Es gibt so viele, die gelitten haben, Angehörige verloren haben, vertrieben wurden. Diese möchten wir hier zusammenbringen und ihnen den Raum und die Zeit geben, daß sie merken, ohne daß ihnen das jemand aufzwingt, daß es auf allen drei Seiten sehr schmerzhafte Erfahrungen gab. Und da halte ich Psychodrama für eine sehr geeignete Methode. Im Psychodrama wird nie analysiert, bewertet, gute Ratschläge erteilt oder drüber diskutiert. Zu diesem Thema halte ich Diskussionen für nicht fruchtbar. Erfahrungen werden hier geteilt, aber nicht gegeneinandergesetzt oder ausgewertet oder gemessen. Und das wirkt in der Regel so, daß die Frauen gegenseitig Verständnis haben. Auf der Basis kann Versöhnung funktionieren. ... |
| Wenn Du drei Wünsche frei hättest fürs Projekt, was würden die sein? | Ein ganz schnöder Wunsch: Daß wir uns nicht immer so viel Sorgen ums Geld machen müssen, weil wir dann viel mehr Kraft und Energie für die Arbeit einsetzen könnten. Damit hängt auch mein zweiter Wunsch zusammen: Ich wünsche mir, daß wir als Team wachsen, daß wir vielleicht fünf Mitarbeiterinnen hätten, abgesehen von Marija und Fani, die ja ihren Bereich der Küche und Hauswirtschaft haben. Der dritte Wunsch wäre eher ein genereller: Ich wünsche mir, daß die Situation hier in der Region, aber auch in der ganzen Welt stabiler wird, daß dieser Wahnsinn der Gewaltspirale, die wieder so hoch gedreht wird, aufhört. Dazu würde ich mir wirklich wünschen, daß viele solche Projekte wie SEKA entstehen, und viele Menschen merken, daß sie bei sich selber anfangen, aber auch den Mut haben müssen, laut zu sagen, was sie denken und das in die Gesellschaft einbringen. |
| Du hast die Situation in der Region erwähnt. Was ist Deiner Meinung nach für den weiteren Friedensprozeß in der Region wichtig? Wer muß mitmachen? | Ich erwarte ehrlich gesagt nicht viel von der großen Politik. Ich glaube an einen Friedensprozeß, der von unten aufbaut. Ich bin immer wieder begeistert zu sehen, wie viele Frauenorganisationen es hier schon gibt, wie viele Frauen, aber auch Männer, sich für den Frieden und gegen Nationalismus einsetzen. Denn wenn wir immer mehr werden, dann können wir auch Druck ausüben und durchsetzen, daß bestimmte Parteien nicht mehr gewählt werden oder aber umdenken müssen. Ich denke, nur so kann es funktionieren. Wir müssen an der Basis mit den ganz normalen Menschen zusammenarbeiten und das transportieren, was wir glauben. Auf der einen Seite heißt es, zuzuhören und den Menschen Raum zu geben für das, was sie an Schlimmem erlebt haben und das da sein zu lassen. Das tun wir hier und das tun auch andere an anderen Orten. Auf der anderen Seite ist es ganz wichtig, auch eine Utopie zu vermitteln, weil viele gar nichts mehr haben, an das sie glauben können und nur noch Mißtrauen da ist. |
| Glaubst Du, daß die Arbeit hier irgenwann mal zu einem Abschluß kommt? | Wahrscheinlich nicht, während ich lebe, es sei denn, es geht uns das Geld aus. Die Notwendigkeit dieser Arbeit, denke ich, wird noch sehr lange bestehen, weil diese Prozesse sehr langwierig sind. Und für mich persönlich stellt sich die Frage auch nicht, ob ich in kurzer Zeit ans Ziel kommen kann. |
| Woher nimmst Du Deine Kraft, Deine Motivation zu dieser Arbeit? | Das hat sicher mit meiner eigenen Geschichte zu tun. Meine Lebensthemen sind auch Gewalt, Gewalterfahrung in der Kindheit, die Auseinandersetzung mit Nationalismus und Faschismus, auch von meiner eigenen Familie her. Ich habe da sehr lange selber dran gearbeitet und auch viel verarbeitet, aber es ist mir ganz wichtig, in dieser Richtung in der Welt was zu verändern. Das Projekt SEKA ist für mich so etwas wie ein Geschenk, weil ich diese Themen auf eine ganz konstruktive Art umsetzen kann. Wir haben ja nicht nur sehr schmerzhaft mit diesen Themen zu tun, sondern es passiert was ganz Schönes: Ich erlebe, daß Frauen und Kinder, die wirklich Schreckliches durchmachen mußten, einfach glückliche und strahlende Augen haben, und ich ihnen helfen kann, daß sie sich ein Stück befreien und wieder den Glauben in die Welt und die Menschheit finden. Diese konkrete Arbeit in SEKA gibt mir sehr viel. Es ist einfach das, was ich wirklich tun will, was mich zutiefst zufrieden macht. |