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SEKA-Journal Nr. 8 - Juni 2001 |
| Vesna S. | Šemsa B. | Fatima O. |
Im Jahr 2000 fanden im SEKA-Haus drei Therapiegruppen für jeweils 12 Frauen statt, Mitarbeiterinnen unterschiedlicher Projekte aus Bosnien-Herzegowina (Föderation und Republika Srpska) und Kroatien. Die Teilnehmerinnen stammten (wie stets im SEKA Haus) aus unterschiedlichen Bevölkerungs- und Religionsgruppen. Jede Gruppe traf sich an jeweils 3 viertägigen Terminen im SEKA-Haus. Die Gruppen wurden geleitet von den erfahrenen Therapeutinnen Edita Ostojic und Nurka Babovic (Frauentherapiezentrum Medica Zenica), Marijana Senjak und Nurka Babovic (Frauentherapiezentrum Medica Zenica) und Nermina Vehabovic-Rudez und Efedina Jamakovic-Cehajic (Medica Visoko). Drei der Teilnehmerinnen schrieben uns ihre Eindrücke und Erfahrungen auf.

Vesna S. hat als Angehörige einer Minderheit Krieg und Verfolgung in der Republika Srpska überlebt (dem noch immer von den serbischen Nationalisten dominierten Teil Bosnien-Herzegovinas). Sie schreibt:
"Die schlimmste Zeit der Kriegs- und Nachkriegsjahre liegt hinter mir. Ich habe sie überstanden - als Frau, als Mutter, als Ehefrau.
Vieles ist nun vorbei, aber mit vielem muß ich mich noch täglich auseinandersetzen und weiter damit leben: mit der Tatsache, daß ich die Arbeit verloren habe, die ich geliebt habe, die ich mit ganzem Herzen erfüllt habe,... damit, daß fast meine ganze Familie fliehen mußte - meine Verwandten, meine Freunde - die meisten leben nun weit entfernt in anderen Ländern. Ich mußte mich an ein Leben unter ganz anderen Bedingungen in einer mir plötzlich fremden - ja, feindlichen Umgebung gewöhnen. Denn das ist nicht mehr das Gebäude, die Straße oder die Stadt, in der ich gelebt habe, bevor der Krieg begann. Ich habe neue Nachbarn, neue Mitbürger... Sehr selten treffe ich jemand Bekanntes, den ich grüßen kann, und noch seltener jemanden, mit dem ich wirklich reden kann. Die alten Verbindungen, Freundschaften, Beziehungen sind unterbrochen - manchmal für immer, manchen sollte man die Chance geben, daß sich die alten Beziehungen durch ein gemeinsames Alltagsleben wieder erneuern können. Aber es wird nie mehr so sein wie früher…
Als ein grundsätzlich fröhlicher, heiterer Mensch bin durch all die Erlebnisse traurig und enttäuscht geworden und dennoch unerschütterlich in meiner Überzeugung, daß ich hier bleiben will und muß und meinen Platz einfordern muß. In einer solchen Stimmung bekomme ich die Einladung, an einer Gruppe im Haus SEKA teilzunehmen. Ich nehme sie an!
Auf die (lange) Reise begebe ich mich mit zwiespältigen Gefühlen: Wie wird es sein, das erste Mal aus der Republika Srpska durch die Föderation nach Kroatien zu reisen? Und wie werden mich die anderen Frauen dort akzeptieren?
Jede von uns hat "ihre Erfahrung" mit dem Krieg, den sie auf der entgegengesetzten Seite erlebt hat. Jede hat ihre Ängste, ihre Traumata.
Werden wir in der Lage sein, dies zu überwinden und einige Zeit in einer toleranten Atmosphäre gemeinsam verbringen können?
Alle meine Zweifel und Ängste fallen ins blaue Meer, als ich auf der Fähre "meine Šemsa" kennenlerne, und am Ausgang der Fähre, auf Brac, "meine Borka", und dann auch Gabi, Mirjana und Goga. Die eigentliche Überraschung steht noch bevor: mit einer späteren Fähre kommen Zeljana, Ankica und Sejada, und am Abend lerne ich dann die übrigen Teilnehmerinnen der Gruppe kennen, der wir später den Gruppennamen "Das Meer brandet" geben werden: Sanja, Zamfira, Sadeta, Šefika und Vahida.
Frauen aus der Föderation Bosnien-Herzegowina, aus der Republika Srpska und aus Kroatien an einem Ort: fröhlich vereint, Lachen, Scherzen, Lieder, Gespräche, Tanzen - das muß man erleben und sehen.

Und um nicht zu vergessen, möchte ich unsere Köchinnen Marija und Fani erwähnen und natürlich unbedingt unsere Gruppenleiterinnen, Edita und Nurka. So viele unterschiedliche Frauen an einem Ort und so eine wundervolle Atmosphäre: Vertrauen, Freundschaft, gegenseitige Hilfe.
Jedes der insgesamt vier Gruppentreffen im Haus SEKA hat mich reicher gemacht, stärker, und mich meinen Gefühlen näher gebracht. Ich habe an mir selbst gearbeitet, mich selbst besser kennengelernt. Ich habe meine unbewußte Kraft gesucht und bin ihr begegnet. Ich habe aus den Erfahrungen der anderen gelernt, aus ihrem Leben. Und gleichzeitig habe ich mein Vertrauen, meine Gefühle, mein Leben mit ihnen geteilt; denn ich wusste, daß ich an diesem Ort, mit diesen Frauen, das Verlorene wieder finden werde und das in mir Zerstörte wieder aufbauen werde.
Und ich habe mich nicht getäuscht. Ich habe eine Art Zentrum gefunden, einen Kern, zu dem ich immer zurückkehren kann, wenn es mir schwer ist, wenn eine Situation mir auswegslos erscheint, wenn ich einen Rat brauche. Dann erinnere ich mich an uns, an unsere Erzählungen und Gespräche, unser Zusammensein, die Lieder, das Lachen.
Ich habe festgestellt, daß ich mich verändert habe. Ich bin mir mehr meiner Kraft bewusst, meiner Möglichkeiten und Fähigkeiten - und ich bin um 16 Freundinnen reicher.
Diese Begegnungen in Kuca SEKA haben mein Leben verändert, mich reicher und erfüllter gemacht - als Frau, als Mutter, als Ehefrau.
Deswegen möchte ich allen ein großes DANKE sagen!
Und um noch hinzuzufügen: Das hier ist schwer aufzuschreiben, das muss man erleben!
Eine andere Teilnehmerin, Šemsa B., die die 11monatige Einkesselung und Blockade von Stari Vitez mit ihren Kindern im Keller erlebt hat, schreibt:
"Liebe Gabi,
Ich bin keine Schriftstellerin, aber ich habe dennoch versucht das aufzuschreiben, was ich von ganzem Herzen und ganzer Seele Euch allen gegenüber empfinde. Ich bin im Geist ganz oft auf Brac, wenn auch hier in meinem Geburtsort "Stari Vitez" Schnee und harter Winter herrscht. Bitte versteh mich, wenn mir die richtigen Worte dafür fehlen, meine Empfindungen zu beschreiben: diese Schönheit, die ich erlebt habe, jedes Mal, wenn ich zu Euch in Kuca SEKA gekommen bin. Aber hier will ich es versuchen:
Nach der 11monatigen Blockade meines Geburtsorts Stari Vitez, die wir wie ein Wunder überlebt haben, haben die Frauen des Therapiezentrums "Medica" - auf Initiative der Psychiaterin Dr. Šabic, begonnen nach Stari Vitez zu kommen, um uns Hilfe anzubieten. Dadurch haben wir Frauen gemerkt, daß wir nicht alleine sind und nicht von allen vergessen. Durch diese Treffen mit den Medica-Mitarbeiterinnen angeregt haben wir schließlich unseren Verein "Starovitezanke" (="die Frauen von Stari Vitez") gegründet. Über Dr. Šabic sind wir dann auch mit Kuca SEKA auf Brac in Kontakt gekommen. Frauen und Kinder von Stari Vitez konnten so im Sommer 1998 zur Erholung ins SEKA-Haus nach Brac fahren. Diese Erholung im SEKA-Haus werden die Kinder und auch wir Frauen niemals vergessen, solange wir leben.
Nach meiner Rückkehr nach Hause hat sich leider mein Leben und das meiner Familie erneut verändert. Es ist sehr schwer zu überleben, mein Mann war arbeitslos und dann habe auch ich noch die Arbeit verloren. Außerdem haben wir einen schwerbehinderten Sohn. Schon während des Krieges hatte ich jede Hoffnung verloren. Auch nach dem Krieg konnte ich nächtelang nicht schlafen. Ich war in einem sehr schlechten Zustand.
Wir haben dann die Einladung zu einem neuen Seminar in Kuca SEKA erhalten. Die anderen sagten, ich sollte hinfahren,ich bräuchte das am dringendsten. Ich war im Zweifel, ob ich fahren sollte (und meine Familie allein lassen) oder nicht. Aber meine Kolleginnen von den "Starovitezanke" ermutigten mich und meine Kinder waren ganz hartnäckig, daß ich fahren sollte. So fuhr ich dann also los - zum ersten Mal mit meinen 44 Jahren alleine unterwegs. Das war am 31.10.1999 und in der Einladung stand, dass noch 11 Frauen in der Gruppe sein würden und zwei Therapeutinnen die Gruppe leiten würden.
Nach langer Reise komme ich am Nachmittag in diesem zauberhaften Ort Kuca SEKA an, mit seinen 'guten Feen', die jede Frau empfangen wie ihre nächste Verwandte.
Ich - so verloren wie ich mich empfinde - kann gar nicht glauben, dass ich wirklich wieder an diesem Ort bin. Die fünf Tage mit der Gruppe und unserer gemeinsamen Arbeit vergehen wie im Flug.
Wir verabschieden uns unter Tränen, aber mit der Hoffnung, dass wir uns im Februar 2000 wieder sehen werden. Die folgenden drei Monate bin ich voller Gedanken an diese Schönheit und an die Warmherzigkeit dieser Frauen, die mich so offen angenommen haben. Das Zusammensein habe ich empfunden, als ob die gleiche Mutter uns geboren hätte.
Dann kam das neue Treffen, unser erneutes Zusammensein, die Übungen, die wir gemeinsam erarbeitet haben, um uns selbst und die anderen besser kennenzulernen.
Jede einzelne Geschichte, jedes schmerzhafte Erlebnis, das wir tief in unserer Seele verborgen hatten, kam ans Tageslicht durch das Verständnis aller Anwesenden.
Alle erschütternden Erlebnisse, die ich in meinem Leben erlebt hatte und über die ich als Frau in meiner Umgebung, in der ich lebe, nicht hätte sprechen können, sind von selbst aus mir herausgeströmt und haben sich eines nach dem anderen - jedesmal wenn ich zum Seminar kam - geordnet in mir. Sie schmerzten nicht mehr so, sie waren ein Teil meines Lebens, aber es quälte mich nicht mehr. Das geht alles wie von selbst - die Seele spricht von alleine.
Die Frauen meiner Gruppe - die Leiterinnen - die SEKA-Frauen, sie alle sind mir so nah - wie seelenverwandt, ich werde sie nie vergessen. Denn sie allein haben mich ins Leben zurückgebracht. Jedes Mal wenn mein nächster Gruppentermin näher rückte, waren meine Kinder überglücklich. Besonders der jüngere Sohn, der selbst schon in Kuca SEKA gewesen war, erzählt unentwegt von der Schönheit, die er dort erlebt hat.
Meine Kinder sind überglücklich, wenn ich vom Seminar zurückkomme. Dann erzählen sie mir ständig, was für eine andere Mama ich bin und daß ich nicht mehr so grüblerisch bin und, dass das Lachen auf mein Gesicht zurückgekehrt ist.
Und glaubt mir, dass ich wirklich anders aufs Leben schaue, denn nur der Gedanke, dass, wenn es dir schwer ist, hast Du diese lieben Menschen auf Brac in Kuca SEKA, die du anrufen kannst und denen du sagen kannst, was dich schmerzt oder dich quält, und sie werden dich trösten, wie deine Mutter.

Deshalb danke ich zuerst Gott und dann Gabi, Mirjana, Edita, Nurka und der besten Gruppe von Frauen, die das wunderschöne Lied gedichtet hat: "Das Meer brandet - du weißt, daß du weißt".
Jedesmal, wenn mir das Herz schwer ist, ziehe ich mich zurück, nehme die Fotos von Brac und schaue sie stundenlang an. Danach fallen mir all meine Pflichten in der Familie leicht, denn diese Erinnerungen bringen mich wieder ins Leben zurück, unterstützen mich, dass ich weiter darum kämpfe, die Kinder auf einen guten Weg zu bringen, dass sie einen guten Schulabschluß machen und morgen ehrliche Bürger sein werden.
Und jeder Gedanke an Kuca SEKA und die Frauen, die da arbeiten, ermutigen mich zum Leben und geben mir Hoffnung, weiterzugehen, Hoffnung, daß es vorwärts geht und nicht alles düster ist.
Nach meinen Seminaren bin ich in meiner Seele eine starke selbstbewusste Frau. Und deswegen werde ich solange ich lebe den Frauen in Kuca SEKA dankbar sein - diesem zauberhaften Ort in Splitska auf Brac.
Meine Lieben: Gabi,
Mirjana, Goga, Zeljana, Marija und Fani
Viele viele Grüße von Eurer Šemsa und ihrer Familie!"
"Eine dritte Teilnehmerin, Fatima O. aus Donji Vakuf, schreibt:
"Ich lebe in einem kleinen Ort, Donji Vakuf in Bosnien-Herzegovina, wo ich vor dem Krieg im Gesundheitszentrum als Krankenschwester gearbeitet habe.
Anfang 1992 musste ich mein Haus und meinen Wohnort verlassen und mit meinen drei Kindern fliehen. Bis Ende 1993 war ich mit meinen Kindern in Kroatien. Zu dieser Zeit hatte ich überhaupt keine Nachricht von meinem Mann oder meiner übrigen Familie, was mit ihnen geschehen war, ob sie noch am Leben waren.
Fast alle Muslime sind zu dieser Zeit aus Donji Vakuf vertrieben worden. (Vor dem Krieg hatte die Stadt 24 000 Einwohner, davon 14 000 Muslime.) Es sind 1992 insgesamt nur 59 muslimische Menschen in der Stadt geblieben (entweder, weil sie sehr alt oder krank waren oder in gemischten Familien lebten), alle anderen wurden vertrieben oder umgebracht.
Das Leben in Kroatien - alleine mit meinen drei 16-, 12- und 8-jährigen Kindern - war für mich sehr schwer, ohne finanzielle Mittel für die grundlegendsten Bedürfnisse. Die Kinder durften nicht in die Schule gehen, denn sie hatten keine "Domovnice". Das hat mich psychisch sehr mitgenommen, denn in Bosnien waren alle drei sehr gute Schüler. Im Herbst 1993 mußten wir dann Kroatien verlassen, ganz egal wohin, weil es in Bosnien zu Kämpfen zwischen Kroaten und Muslimen gekommen war und wir in Kroatien nicht mehr sicher waren.
Das Leben hat mir damals nichts mehr bedeutet und ich habe manchmal gedacht, daß der Tod die einzige Rettung für mich und meine Kinder wäre, aber... dennoch war dann der Kampf für die Erhaltung meiner Kinder stärker als alles Leiden.
Wir haben uns dann auf den Weg ins Ungewisse gemacht und nach drei Tagen sind wir in die SCHWEIZ gekommen. Dort waren wir erst mal in Sicherheit. Aber das Leid und der Schmerz wegen der Ungewissheit, was mit meinem Mann, meinen Eltern, meiner Schwester, meinem Bruder und seiner Familie passiert ist, sind jeden Tag stärker geworden. Ich war psychisch in einer sehr schlechten Verfassung und bin immer wieder in schwere Krisen abgerutscht.
Als dann das Abkommen von Dayton unterzeichnet wurde und es möglich war, wieder nach Bosnien zurückzukehren, bin ich mit meinen zwei Töchtern zurückgekehrt, während mein Sohn bei einer Schweizer Familie geblieben ist, um die Schule zu beenden. In Bosnien hat uns ein zerstörtes Haus in einer zerstörten Stadt erwartet und nichts war mehr so wie früher. Es war ein neuer Schock - ein Leben ohne Hoffnung für eine bessere Zukunft - wie lange würde es dauern, wieder etwas aufzubauen?
Zu dieser Zeit begann die muslimische und kroatische Vorkriegsbevölkerung in meine Stadt zurück zu kehren. Die Serben andererseits verließen die Stadt. Es war alles anders. Meinen Arbeitsplatz konnte ich nicht wieder bekommen, weil ich während des Krieges nicht dageblieben war, sondern versucht habe, meine Kinder und mein nacktes Leben zu retten.
Ich habe dann versucht, andere Frauen zu finden, die ähnlich denken wie ich. Wir haben uns dann sehr schnell organisiert und begonnen, die Stadt von Schutt und Müll zu säubern und sie zu verschönern, um der Zerstörung und der Depression etwas entgegen zu setzen. Wir haben dann einen Frauenverein gegründet, dem wir den Namen "Anima" gaben; das bedeutet "Seele". Dieser Name ist das Symbol für "Mensch", denn in meiner Stadt tut man sehr wenig für die Seele der Menschen, besser gesagt wird gar nichts getan. Wir haben uns deshalb zum Ziel gesetzt, insbesondere Frauen und Kinder zu unterstützen.
Als wir die Einladung von Kuca SEKA von Brac bekamen, dass eine unserer Mitfrauen zu einem Seminar nach Brac fahren könnte, wo sie an einer Gruppe zur psychologischen Unterstützung teilnehmen würde, habe ich mich für diese Gruppe gemeldet. Denn ich habe da für mich eine Chance gesehen, daß ich all das Negative, was sich in all den Jahren in mir angesammelt hatte, aus mir "herauswerfen" könnte und wieder so werden könnte, wie ich vor dem Krieg war: fröhlich, glücklich, voller Selbstvertrauen, engagiert für die Gemeinschaft und mit der Fähigkeit, sich über Kleinigkeiten zu freuen. Diese Erwartungen wurden bereits durch meinen ersten Aufenthalt auf Brac erfüllt.
Diese vier Tage unseres ersten Treffens im Mai auf der Insel Brac - gemeinsam mit noch 11 anderen Frauen aus ganz Bosnien-Herzegowina und zwei Psychologinnen von Medica Visoko - waren genau das, was ich so lange für mich gesucht, aber nicht gewusst hatte, daß ich es gerade da finden würde.
Wir arbeiteten täglich 6 Stunden intensiv in der Gruppe.
Nach dem ersten Gruppentreffen (von insgesamt dreien) habe ich in mir selbst die Person wiedererkannt, die ich so lange gesucht hatte: mein Traum hat sich erfüllt, mein Selbstvertrauen und mein Glaube an mich selbst und an andere Menschen ist zurückgekehrt.
Bis dahin war es mir nicht gelungen, ein einziges Projekt auszuführen oder zu realisieren, da ich innerlich gedacht habe, das läuft wahrscheinlich doch nur ins Leere und ich vergeude nur meine Zeit damit.
Nach der Rückkehr von Brac habe ich das Projekt "Computerkurs für Frauen" geschrieben und mich dafür eingesetzt, Gelder zu finden. Und wir haben die finanziellen Mittel dafür bekommen - und für noch drei Projekte, die wir im Jahr 2001 durchführen werden.
Ich habe soviel gelernt und für mich mitgenommen von meinen Aufenthalten auf der Insel Brac und von Kuca SEKA. Als ich im September zum zweiten Treffen unserer Gruppe ins SEKA-Haus kam, habe ich mich so sehr über das Wiedersehen mit meinen Freundinnen gefreut, die ich kennengelernt und gegenüber denen ich meine Seele geöffnet habe. Bis dahin hatte ich das nie und nirgends getan, das war etwas völlig Neues für mich und deswegen war ich so glücklich! Ich habe gelernt, auch das Schwere und die schlimmen Erfahrungen mit den Freundinnen zu teilen.
Das Treffen im November (das dritte und letzte) war mit Trauer und Freude verbunden, denn für mich sind Trennungen etwas, was ich nicht mag und was mir schwerfällt. Diese Arbeit in der Gruppe und an sich selbst habe ich erlebt wie eine Reinigung der Seele von allem, was mich gehindert hat, vorwärts zu gehen und zu begreifen, daß ich nicht mein ganzes Leben als Krankenschwester arbeiten muss, dass es Dinge gibt, die ich noch bei weitem besser verwirklichen kann. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich, nachdem ich einen Computerkurs absolviert habe, mit viel größerem Elan in das Büro unserer Organisation gehe und gemeinsam mit noch dreißig Frauen neue Aktivitäten kreire.

Ich bin all denen dankbar, die mir ermöglicht haben, diese Seminare zu besuchen, und ich würde jeder Frau wünschen, daß sie so eine Gruppe durchläuft und ein Heilmittel für ihre verletzte Seele findet, damit sie heilen kann.
Ich will aber auch betonen, wie wichtig es für mich war, die SEKA-Mitarbeiterinnen zu treffen, die eine sehr positive Wirkung auf die Psyche von uns Teilnehmerinnen haben: Gabriela, Mirjana, Gordana, Marija und Fani. Auch sie sind die Schöpferinnen all des Positiven, das wir in Kuca SEKA bekommen.
Donji Vakuf ist eine Kleinstadt in Zentralbosnien, die während des Krieges mehrfach von den wechselnden
Kriegsparteien erobert und schließlich völlig zerstört wurde. Erst nach dem Abkommen von Dayton
kehrten allmählich Teile der ehemaligen Bevölkerung zurück.
Domovnica = eine unter Tudjman in Kroatien eingeführte Bescheinigung über die 'kroatische Volkszugehörigkeit',
ohne die man in Kroatien keinerlei Rechte mehr hatte.