![]() |
SEKA-Journal Nr. 7 November 2000 |
Die erste Gruppe im Sommer 2000 kam aus Knin ( 4 Frauen, 3 junge Frauen und 11 Kinder) vermittelt über die Kniner Frauengruppe "Nada". Frauen und Kinder dieser Gruppe waren fast alle bosnisch-kroatische Flüchtlinge aus Zentralbosnien, die während des "Krieges im Kriege" 1993 nach Kroatien geflüchtet waren.
Neben den traumatischen Erlebnissen von Krieg und Flucht waren alle Frauen und Kinder Opfer langjähriger massiver Gewalt durch den Ehemann / Vater.
Eine der Frauen, M., Mutter von 9 Kindern im Alter von 6 bis 25 Jahren lebt noch immer mit den 6 jüngeren Kindern mit dem Mißhandler zusammen. Die sechs Kinder, mit denen sie ins SEKA-Haus kam, waren alle schwer traumatisiert, insbesondere 2 von ihnen befanden sich in einer sehr schlechten psychischen Verfassung.
Eine andere Frau, D., Mutter von 6 Kindern, hatte sich nach über 20jährigem Martyrium in ihrer Ehe vom Mißhandler scheiden lassen, nachdem dieser die älteste Tochter mehrmals brutal vergewaltigt hatte, während die Mutter im Krankenhaus lag. Der Vater befindet sich für dieses Verbrechen noch im Gefängnis, droht allerdings spätestens 2002 entlassen zu werden. Selbst aus dem Gefängnis heraus belästigte und bedrohte er die Familie weiter.
Eine weitere Frau, A., hatte nach einer Vergewaltigung im Krieg eine Psychose erlitten. Ihr seelisches Gleichgewicht war noch immer sehr fragil. Dazu kam, daß sie von der eigenen Familie (Mutter und Bruder), mit der sie zusammenlebt, mißhandelt wird.
Alle Familien leben in Knin oder der Umgebung in bitterster Armut. Eigentlich haben sie Anspruch auf Sozialhilfe; diese - ohnehin geringe Unterstützung - bekamen sie in der Vergangenheit jedoch aufgrund der leeren Staatskassen nur selten ausbezahlt.
Die Sicherung des schieren Überlebens für ihre Kinder und sich selbst ist für sie alle eines der wesentlichsten Probleme. Sie sind gezwungen, die lebensnotwendigsten Dinge bei den verbliebenen wenigen Hilfsorganisationen oder beim Pfarrer zu "erbetteln". Während des Sommers leben sie von Gemüse und Kartoffeln, die sie im Garten ziehen. Fast alle leben in serbischen Häusern, deren Besitzer irgendwann zurückkehren wollen. Auch ihre Wohnsituation ist daher vollkommen ungesichert.
Zwei der jungen Frauen und ein Mädchen kamen ohne ihre Mütter. Wie sich herausstellte, leben die Familien unter katastrophalen Bedingungen. Das 11jährige Mädchen schlief bei uns zum ersten Mal in ihrem Leben in einem richtigen Bett und erlebte zum ersten Mal ein Badezimmer mit WC.
Mit den Frauen dieser Gruppe arbeitete ich (Gabriele Müller, Gruppengespräche und Einzelarbeit) und Mirjana Bilan (abendliche Gruppengespräche und Einzelgespräche).
Mit den Kindern arbeiteten die beiden Kolleginnen Zeljana Buntic-Pejakovic und Dubravka Tokic-Galic als Psychologinnen und Goga Ivancevic als pädagogische Helferin.
Aufgrund der Zusammensetzung der Gruppe, entschieden wir uns, den Frauen keine gemeinsame Gruppenarbeit im Therapieraum sondern Einzelarbeit anzubieten: Wir sahen es als ungünstig an, eine Gruppe aus den vier älteren Frauen und den drei jungen Frauen (17 -20 Jahre), von denen eine die Tochter einer der älteren Frauen war, zu bilden. Eine solche Konstellation hätte es für die einzelnen Frauen erschwert, sich zu öffnen. Gruppengespräche führten wir stattdessen in lockerem Rahmen auf der Terrasse.
Während der ersten Tage am Meer bildete sich ein guter Kontakt zu den älteren aber auch zu den jungen Frauen. Durch unsere Unterstützung im Wasser, durch Entspannungsübungen, gemeinsame Ballspiele und Gespräche am Strand entwickelte sich rasch eine Vertrauensbeziehung.
An den ersten Abenden führten wir Gruppengespräche auf der Terrasse (während jeweils zwei Kolleginnen mit den Kindern im Häuschen arbeiteten). Ein zentrales Thema in diesen Gesprächen waren Gewalterfahrungen in der Ehe. Es wurde deutlich, wie stark die älteren Frauen von klein auf von patriarchalen und reaktionären Normen und einem rigiden Katholizismus geprägt waren, so sehr, daß sie die mehr als 20 Jahre dauernden schwersten Mißhandlungen und Vergewaltigungen als gottgegeben und als ihr "Los als Frauen" ansahen. Nur eine der jüngeren Frauen, die Tochter von M., rebellierte gegen diese Haltung ihrer Mutter. Seit Jahren versucht sie, die Mutter zur Trennung zu bewegen, sie ist die einzige, die sich erfolgreich gegen den gewalttätigen Vater verteidigt, sie schützt ihre Geschwister, hat deretwegen das Elternhaus noch nicht verlassen.
Vor diesem Hintergrund sprachen wir über die physischen und psychischen Folgen von Gewalt (zwei der Frauen leiden an massiven physischen und psychosomatischen Krankheiten), über Menschenrechte - auch für Frauen und Kinder, über Geschlechtsrollen und Kindererziehung, Rechte der Kinder auf ein Leben ohne Gewalt, über Wertschätzung und Unterstützung für die Mädchen. Über die Auswirkungen der traditionellen Normen für Frauen, die Reaktion der Gesellschaft auf Gewalt in der Familie, über Möglichkeiten, Hilfe zu bekommen, sich Unterstützung zu suchen.
An diesen Hilfsmöglichkeiten mangelt es allerdings in Knin und der "Krajina". Insbesondere nach dem Krieg wird Gewalt als normales Mittel der Konfliktlösung angesehen. Frauenverachtung ist ebenso normal.
So ungewohnt unsere Ansichten (als SEKA-Mitarbeiterinnen) und die von uns gegebenen Informationen auch offensichtlich für die Frauen waren, reagierten sie jedoch keineswegs mit Abwehr.

"Super, daß auch 'Tante Mirjana' heute mitspielt"
Die Vision, über die wir sprachen, eine Welt ohne Gewalt, mit gegenseitiger Wertschätzung, liebevoller Aufmerksamkeit und echtem Interesse, erlebten sie ja von morgens bis nachts im Zusammensein mit uns im SEKA-Haus. Sie fühlten, wie gut ihnen das tat, sie sahen, wie ihre Kinder aufblühten, wie sie fröhlich und unbeschwert spielen konnten, so wie sie sie noch nie erlebt hatten. So waren die Frauen bereit, sich mit den für sie neuen Informationen, Auffassungen und Haltungen auseinanderzusetzen.
Sie waren auch gern bereit, unser Angebot bzgl. Einzelgesprächen / Einzelarbeit anzunehmen.
Im folgenden will ich besonders die Einzelarbeit mit M. und ihrer ältesten Tochter beschreiben.
Für M. war es das erste Mal, daß sie so offen über die erlebte Gewalt sprach und daß sie
das, was ihr geschah, überhaupt als Gewalt realisierte. Ihr Mann hatte sie vom Beginn ihrer Ehe an physisch, psychisch und sexuell mißhandelt. Später hatte er auch begonnen, die Kinder zu mißhandeln. Sie hatte versucht, wenigstens dies zu verhindern, was ihr nicht gelang.
Dann kam der Krieg. Ihr Haus stand plötzlich mitten im Kampfgebiet. M. gelang es, mit den Kindern aus dem Kriegsgebiet herauszukommen und nach Kroatien zu fliehen. 1996 landeten sie schließlich in der Krajina. Die Familie lebt von Sozialhilfe, wenn diese überhaupt ausgezahlt wird. Doch Empfänger ist der Ehemann. Jedes Mal muß M. darum kämpfen, daß er wenigstens einen Teil des Geldes herausrückt, um Lebensmittel zu kaufen. Um die Familie zu ernähren, baut M. Gemüse und Kartoffeln im Garten an und hält Schweine. Etwas finanzielle Hilfe "erbettelt" sie manchmal vom katholischen Pfarrer.
Nach einem doppelten Bandscheibenvorfall ist M. oft fast bewegungsunfähig.
In unseren Gesprächen war das zentrale Thema die erlebte Gewalt. Zum ersten Mal gestand sich M. ein, daß sie und die Kinder "in der Hölle lebten". Bisher hatte sie diese Tatsache vor sich selbst und vor anderen verleugnet, sich an die wenigen "guten Augenblicke" in ihrem Leben geklammert. Sie ließ ihre Gefühle von Angst, Schmerz, Wut, Haß und Ekel zu, ohne sie sofort wieder zuzudecken. Wir setzten uns auch sehr intensiv mit ihrer streng katholischen Moral auseinander. Ihr Glaube hatte ihr einerseits die Kraft gegeben zu überleben, die reaktionären moralischen Werte hatten sie aber gleichzeitig in der unerträglichen Situation gehalten.
Ich unterstützte M. darin, ihre Gefühle und ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen. Und ich richtete den Blick auf ihre Stärken, die sie allerdings bisher nie für sich selbst eingesetzt hatte. Allmählich begann sich M.'s grundsätzliches Ohnmachts- und Opfergefühl zu verändern. Sie begann, ihre Kraft zu spüren. Wir trainierten, die Wahrnehmung ihrer Grenzen. M. begann, an sich selbst zu glauben und daran, daß sie doch einen Wert hatte. Sie begann sich vorzustellen, doch etwas verändern zu können in ihrem Leben. Sie begann die Verantwortung für sich zu übernehmen und auch für ihre Kinder.
In wenigen Tagen ging es ihr auch körperlich viel besser.
Schließlich arbeiteten wir - auch psychodramatisch mit Symbolen und Zukunftsinszenierungen - an konkreten Veränderungschritten. M. probierte aus, wie sie "innerlich fest und stark" bleiben kann, wie sie sich und die Kinder schützen kann. Wen sie um Hilfe bitten kann. Wie sie die erlebte Gewalt öffentlich machen kann, gegenüber der Familie und Verwandtschaft.
M. begann über Möglichkeiten der Scheidung nachzudenken. Sie hatte noch Angst davor. Sie fürchtete, ihr Mann würde sie überall finden. Und ein Teil in ihr hoffte noch immer, daß er sich ändern könnte. Aber sie dachte darüber nach und wir spielten verschiedene Möglichkeiten durch.
Gegen Ende des Aufenthalts erarbeiteten M. und ihre erwachsene Tochter in einem gemeinsamen Termin, Strategien, die Familie vor dem Vater zu schützen und die Trennung vorzubereiten.
Als Unterstützung und Symbol "für meine innere Stärke und Festigkeit" wählte M. zum Abschluß unserer gemeinsamen Arbeit einen Stein1 aus, den sie mit nach Hause nahm.
Sicherlich wäre - nach 26 Jahren Mißhandlung - für M. eine längerfristige kontinuierliche Begleitung direkt in ihrem Umfeld nötig, um diesen schweren Schritt der Trennung zu schaffen. Dennoch, die Tatsache, daß M. angefangen hat, sich selbst wahrzunehmen, mit ihren Stärken, mit ihren Bedürfnissen und ihren Gefühlen (auch ihrer Wut und ihrem Ekel), die Tatsache, daß sie bereit ist, über eine "Befreiung" aus der Gewaltsituation nachzudenken, ist für sie ein erster Ausbruch aus der "Rolle der Leidenden", in der sie von Jugend an gefangen war..
M. die auf Krücken gekommen ist und kaum 10 Meter am Stück laufen konnte, tanzte an unserem Abschiedsfest. Die Krücken waren schon Tage zuvor überflüssig geworden.

Übung "Vertrauenskreis" mit Frauen der 4. Gruppe
Alle Kinder der Gruppe hatten seit ihrer Geburt Erfahrung mit familiärer Gewalt. Sie waren sowohl Zeugen der massiven Mißhandlung ihrer Mütter, als auch - in unterschiedlichem Maße direkte Opfer der Gewalt durch Vater und - teilweise auch - Mutter. Zusätzlich hatten sie Krieg und Flucht erlebt. Aufgrund der Armut der Familien waren für sie außerdem Hunger und Mangel fast alltägliche Gefühle.
Gleichzeitig war es jedoch bemerkenswert, welch ein ausgeprägtes Sozialgefühl die Kinder untereinander hatten. Alles wurde geteilt und darauf geachtet, daß die Kleineren nicht zu kurz kamen. Die großen Kinder waren sehr fürsorglich und liebevoll mit den Kleinen. Überhaupt gab es kaum Streit unter den Kindern dieser Gruppe.
Die Kinder von M. hatten zusätzlich ein erstaunliches Binnensystem der gegenseitigen Hilfe und des Schutzes entwickelt, mit dem die Älteren versuchten, die Kleineren zu schützen und, wenn "der Vater wieder so drauf war", aus der Gefahrenzone zu bringen.
Dennoch waren die zwei jüngsten Kinder der Familie, als sie zu uns kamen, in einer schlimmen Verfassung. Sie waren in einem Krampf von Angst gefangen. Insbesondere bei dem 7jährigen Jungen hatte sich die Körperhaltung angepaßt an die ständige Erwartung von Schlägen und Demütigungen (Die Mutter erzählte uns, daß ihr Mann in der letzten Zeit den Jungen gezielt mißhandelte und dies benutzte, um sie gefügig zu machen.). Den Kopf und den Oberkörper zur Seite gedreht, die Augen nur nach unten gerichtet, bewegte sich dieses Kind nicht geradeaus sondern immer halb seitwärts. In den ersten zwei Tagen war es nicht möglich, zu dem Jungen Blickkontakt zu bekommen, da er nie aufblickte. Ab dem dritten Tag konnte er sich dann mehr und mehr entspannen; und schließlich waren er und auch seine Zwillingsschwester nicht mehr wiederzuerkennen, so frei, gelöst und ausgelassen tobten sie im Wasser, buddelten im Sand und suchten immer wieder Körperkontakt zu uns, wie um sich dieses Kontakts und der damit verbundenen Sicherheit immer wieder zu versichern.
Für die Kinder dieser Gruppe war es das erste Mal, daß sie das Meer erlebten. Die Tage am Meer / am Strand unterstützten die Kinder sehr, sich zu entspannen, förderten ihr Selbstbewußtsein und ihren Mut. Alle Kinder der Gruppe lernten schwimmen. Mehr und mehr konnten sie ihre Ängste loslassen.
Ein 13jähriger Junge, der Sohn von D. war körperbehindert als Folge der Mißhandlung durch den Vater (das Hüftgelenk war verletzt worden). Auch ihm tat das Schwimmen im Meer sehr gut. Dort fühlte er sich nicht behindert, sondern mindestens so geschickt und schnell wie die anderen Kinder.
Sicherlich genauso wichtig wie das Meer war für die Kinder allerdings die abendliche Zeit im Kindertherapiehaus: Zuerst konnten es die Kinder kaum fassen: ein eigenes kleines Haus zum Spielen, mit so viel schönem Spielzeug! Es war für sie wie ein Paradies. Die ersten beiden Abende probierten sie nach Herzenslust die verschiedensten Spiele und Spielzeuge aus. Danach machten die Therapeutinnen dann Vorschläge, sei es zu Rollenspielen, zum Malen, zum Spielen mit den Puppen oder Kuscheltieren. Die Kindergruppe ließ sich gut aufteilen in zwei Untergruppen (eine mit den 6-7jährigen, eine andere mit den 10 - 13jährigen). Die kleineren Kinder nutzten die Spiele, um ihre Gefühle (z.B. Wut und Aggression aber auch Ängste und Sehnsüchte) auszudrücken. Die größeren Kinder hatten neben dem Wunsch zu spielen ein großes Bedürfnis zu reden. Sie sprachen viel über die Situation und die Probleme zu Hause und über ihre Wünsche und Pläne, wie sie einmal leben wollen, wenn sie erwachsen sind.
Wie für alle Gruppen in diesem Sommer gab es auch für die Kinder dieser Gruppe zwei "Überraschungen": zum einen ein Fotoprojekt, zum anderen eine Aktion "Ich male mir mein eigenes T-Shirt".
Wir hatten bereits 1999 eine Spende einfacher Fotoapparate bekommen und diese Fotoprojekte auch schon mit den Gruppen im letzten Jahr durchgeführt. Jedes Kind bekommt einen eigenen Fotoapparat. Nach einer ausführlichen Instruktion und einer abendlichen Exkursion - noch ohne Filme - bekommt jedes Kind einen Film und ca 4 Tage Zeit, um die ihm wichtigsten Motive zur Erinnerung festzuhalten.
Das Projekt endete am Abend vor der Abreise mit einer Ausstellung der besten Fotos eines jeden Kindes. Ebenfalls Teil dieser Ausstellung sind Zeichnungen und andere Kunstwerke der kleinen Künstlerinnen und Künstler.
Das Fotoprojekt hat verschiedene Effekte: Zum einen lernen die Kinder (durch die Motivsuche), bewußter wahrzunehmen; ihre Erlebnisfähigkeit wird vertieft. Sie erleben sich als kreativ, kompetent und als Subjekte: sie entscheiden, was und wie sie fotografieren. Durch das Fotografieren können sie das, was ihnen an ihrer Zeit in SEKA am wichtigsten ist, festhalten für später - als Bekräftigung und Unterstützung. Insbesondere die Ausstellung und die Anerkennung, die jedes Kind bekommt, fördert ihr Selbstbewußtsein. Und nicht zuletzt
lernen sie fotografieren! Natürlich bekommt jedes Kind am Ende seine Fotos in einem kleinen Album und auch die Negative mit nach Hause.
Auch die "T-Shirt-Mal-Aktion" (ermöglicht durch die Spende einfacher weißer T-Shirts von einer französichen Hilfsorganisation) war ein großer Erfolg. Mit Feuereifer machten sich die Kinder und auch die jungen Frauen ans Werk. Die Ergebnisse waren schließlich so unterschiedlich wie kreativ und einzigartig. Am Ende wollten auch die Mütter "ihre T-Shirts" gestalten. Das ganze wurde selbstverständlich fotographisch dokumentiert.
Auch diese Aktion hatte für uns - neben der Förderung der Kreativität der Kinder - zum Ziel, den Kindern (und den Frauen) zu ermöglichen, "ein Stück von SEKA mitzunehmen als Unterstützung und Bestärkung in ihrem Alltag".
Wir möchten, daß die Kinder sich sowohl durch die Fotos als auch durch ihre T-Shirts immer wieder erinnern können, daß das Leben schön sein kann. Daß sie sich die Gefühle von Ruhe, Entspannung und Geborgenheit, aber auch das Bewußtsein über die eigene Stärke, den eigenen Wert, die eigene Kreativität immer wieder zurückholen können - so wie auch das Wissen, daß es eine Welt ohne Gewalt gibt. Außerdem haben wir jedem Kind (wie auch den Frauen) die SEKA-Telefonnummer gegeben - als eine gewisse Sicherheit. - Und ich versprach ihnen, sie im Herbst zu besuchen.
Während meines Aufenthalts in Knin besuchte ich selbstverständlich alle Frauen und Kinder, die bei uns im SEKA-Haus gewesen waren. Ich brachte ihnen die restlichen Fotos mit, die wir erst nach ihrer Abreise hatten entwickeln lassen.

Freude an den Fotos, die Gabrielle Müller nach Knin gebracht hat
Zufällig kam ich gerade recht zum Geburtstagsfest von M.'s Zwillingen. Ihre Freude war riesig.
In einem Vier-Augen-Gespräch mit M. erzählte diese mir, daß sie - wenn sie auch die Trennung bisher nicht geschafft hätte - sich und die Kinder besser schützen könne. Gleich nach ihrer Rückkehr habe sie ein Treffen mit allen näheren Verwandten einberufen, auf dem sie offen die Probleme dargestellt habe. Dadurch habe sie mehr Unterstützung und es gebe nun auch von außen mehr Kontrolle. "Es gibt jetzt keine Heimlichkeit mehr." Ihr Mann sei dadurch bedeutend vorsichtiger geworden. Seit ihrer Rückkehr von SEKA habe er sie nicht mehr geschlagen und sie habe auch die Kinder besser schützen können, obwohl das noch nicht ideal sei. Sie fühle sich stärker und innerlich fester, sie würde nicht mehr gleich aufgeben. "Wenn es schwierig ist, nehme ich den Stein, den ich immer bei mir trage, fest in die Hand und sage mir 'Nein, ich lasse es nicht zu, ich bleibe fest und stark...'. Ich erinnere mich immer an das, was Du mir gesagt hast, wie wenn ich es in mir höre, und das gibt mir Kraft."
M., die bisher kein Telefon hatte, wird nun von ihrer ältesten Tochter ein Handy bekommen. Dann will sie sich regelmäßig melden.
Mit M.'s Kindern traf ich mich zwei Tage später alleine, um von ihnen zu hören, wie sie die Situation erlebten.
Auch sie bestätigten mir eine Verbesserung der Situation. Der Vater sei nicht mehr so gewalttätig, manchmal würde er sich jetzt sogar um ihre Hausaufgaben kümmern oder mit ihnen Fußball spielen.
Nur den Jüngsten habe er noch auf dem Kieker, "weil er in der Schule nicht so gut ist. Aber wir lernen alle mit ihm."
Kata und ich besprachen, daß sie die Familie regelmäßig besucht und sich besonders um den Jüngsten kümmern wird. Auch dies wirkt als zusätzliche soziale Kontrolle. Im Notfall können M. oder die Kinder sie anrufen und sie kann Hilfe organisieren.
Die Frauengruppe "Nada" will darüber hinaus enger mit der Spliter Beratungsstelle Mirta zusammenarbeiten, die sich um Opfer von familiärer Gewalt kümmert.
1 Ich arbeite in der Symbolarbeit mit Halbedelsteinen aber auch gewöhnlichen Steinen und anderen Materialien.